Interessante Stellungnahme einer Ethikerin aus der Schweiz …

Immer geht es um den Organ-Mangel. Das töne nach Bringschuld und sei kontraproduktiv, sagt die Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle.

Die Schweiz hat mehrfach abgelehnt, dass toten potenziellen Spendern ohne Widerspruchserklärung Organe entnommen werden können. Entspricht es einfach nicht dem schweizerischen freiheitlichen Geist, dass wir uns staatlich vorschreiben lassen, was mit dem Körper nach dem Tod geschieht?

Ruth Baumann-Hölzle: Es geht mehr ums Vertrauen. Der Kanton Tessin hatte lange die höchste Spenderate, obwohl das kantonale Gesetz eher restriktiv war. Aber vor zirka 20 Jahren setzte sich ein Tessiner Arzt persönlich mit seinem Namen für Organspenden ein. Das hat gewirkt.

Haben die Schweizer zu wenig Vertrauen in die Ärzte?

Unser Gesundheitssystem ist jedenfalls sehr wirtschaftlich orientiert. Die Spitäler stehen in einem grossen Wettkampf – auch was die Zahl der Organtransplantationen betrifft. Es schadet dem Vertrauen ins System auch, wenn – wie kürzlich – bekannt wird, dass eine der am häufigsten gemachten Operationen, die Miniskusteilentfernung, meist zwecklos ist. Das Wissen um Übertherapierung spielt mit, wenn es darum geht, dass man sich als Lebender oder Angehöriger für eine Organspende entscheiden muss.

Die Leute trauten der Werbekampagne also nicht, die der Bund für mehr Organspenden gefahren hat?

Das ist schwierig zu beurteilen. Auf jeden Fall ist es kontraproduktiv, den Fokus immer auf den Organ-Mangel zu legen, das tönt nach Bringschuld. Es gibt keine Pflicht zur Organspende. Keiner muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er seine Organe nicht spenden möchte. Eine Organspende ist immer ein Geschenk. Kampagnen sollten aus meiner Sicht anders geführt werden.

Wie denn?

Mit mehr Wertschätzung den Spendern gegenüber und der Botschaft, dass die Spendebereitschaft nicht selbstverständlich ist, sondern man dankbar dafür ist. Am Unispital Zürich zum Beispiel pflanzten wir einmal einen Baum zum Dank für die Organspender.

Immerhin die Plakat-Kampagne war relativ offen geführt mit der Aufforderung, man solle sich mit der Frage befassen, egal, wie man entscheidet.

Das stimmt, die war gut. Ich vermute, dass es für die Spendebereitschaft hinderlich war, dass nicht alle Fragen ausdiskutiert wurden. Zum Beispiel die der Non-Heart-Beating-Donors. Während bei den primären Hirntoten zuerst das Hirn stirbt, ist es bei den NHB-Spendern umgekehrt: Wenn eine Genesung aussichtslos ist, können bei Patienten die lebenserhaltenden Massnahmen abgestellt werden, sodass ein Herzkreislaufstillstand eintritt. Dadurch wird sekundär der Hirntod ausgelöst. Die Organe müssen in diesem Fall rasch entnommen werden. Heute wird das am Unispital Zürich gemacht. Am Inselspital in Bern nicht. In Deutschland ist es verboten. In der Schweiz wurde nie eine breite Debatte darüber geführt, dabei wäre es für das Vertrauen wichtig.

Was fehlt noch?

Wichtig ist auch eine gute Organisation, sodass potenzielle Spender auch in peripheren Spitälern erkannt werden. Es schwingt bei vielen Menschen auch immer die Angst mit, dass ihnen Organe entnommen werden könnten, wenn sie noch Lebenschancen gehabt hätten. Diese Ängste sind ernst zu nehmen und anzusprechen. Denn der Hirntod ist keine naturwissenschaftliche Definition.

Wurden diese Unsicherheiten im Ausland, wo es mehr Spender gibt, tatsächlich besser thematisiert?

Vermutlich nicht, aber im Unterschied zu den meisten anderen Ländern konnten wir darüber abstimmen. Ich frage mich, ob die Widerspruchserklärung in anderen Ländern auch eingeführt worden wäre, wenn man dort hätte darüber abstimmen können. Das staatlich zu verordnen, finde ich in einem Rechtsstaat hochproblematisch. Ausserdem ist es auch für Ärzte und Pflegende belastend, wenn sie nicht wissen, ob der Tote das gewollt hätte. Soviel ich weiss, werden deshalb die Angehörigen in Österreich trotz Widerspruchslösung oft gefragt, ob sie mit der Organentnahme einverstanden sind. Wo umgekehrt wie in der Schweiz aber manchmal eine explizite Zustimmung des Patienten vorhanden ist, bin ich der Ansicht, dass der Wille des Spenders gelten sollte, auch dann, wenn die Angehörigen eine andere Haltung haben. (Hier der Original-Artikel)

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Vorsicht vor folgenden weit verbreiteten Ratschlägen – „Benutzung auf eigene Gefahr“ …

Aufgrund eines aktuell veröffentlichten YouTube-Kommentars in Bezug auf unser neues Video „Einfach widersprechen? Organspende-Widerspruch im Fokus“, nehmen wir diesen zum Anlass, um Sie vor folgenden mitunter weit verbreiteten „Ratschlägen“ zu warnen. Wir können nicht oft genug betonen, dass Organspenderegelungen keine Spielwiese für Laien  und hier unbedingt Vorsicht geboten ist:

1. Beginnen wir mit dem Kommentar auf YouTube:

Eine deutsche Staatsbürgerin, die sich öfter in Portugal aufhält, hat konkret auf einen Gesetzestext verwiesen, Zitat: „Ausländer ohne Daueraufenthalt zB Touristen brauchen das (Anmerkung: Widerspruch) nicht, da sie als Organspender nicht infrage kommen. für Ausländer gilt: Lei n.o 22/2007/de 29 de Junho – 6—A dádiva e acolheita de órgãos ou tecidos não regeneráveis, que envolvam estrangeiros sem residência permanente em Portugal, só podem serfeitas mediante autorização judicial. D.h. heisst, dass Ausländern ohne eine Daueraufenthaltsgenehmigung (Residência Permanente) Organe und andere nicht erneuerbare Gewebe nur mit einem Gerichtsbeschluss entnommen werden dürfen.“

Meine Antwort darauf (gekürzt – die vollständigen Antworten können Sie bei uns auf YouTube nachlesen):

“ …danke für Ihre Eingabe, allerdings müssen wir diese berichtigen. Auch möchten wir gleichzeitig darauf hinweisen, wenn Sie Bezug auf einzelne Gesetzesstellen nehmen, diese dann aber auch stimmen müssen und  daher auch ebenso höflich auf die Verantwortung hinweisen möchten, die man natürlich damit eingeht, denn mit falschen Hinweisen können andere Menschen schwer zu Schaden kommen, insofern, auch wenn Sie persönlich des Portugiesisch mächtig sind und auch gerne im Gegensatz zu den meisten Menschen Gesetzestexte lesen, dies dann aber bitte umfassend und genau zu tun.

Ihre zitierte Rechtspassage existiert und stimmt auch …  das ist richtig. ABER! Der Fehler, der Ihnen hier unterlaufen ist und auf Basis dessen Sie Ausländern bzw. Touristen nun pauschal den Rat geben, sie müssten keine Vorsichtmaßnahmen ergreifen – STIMMT NICHT!

Warum? Der von Ihnen verwendete Paragraph bezieht sich –> AUSSCHLIESSLICH auf Lebendspenden! Dieser Passus gilt aber NICHT für „Organspenden“, die an Menschen z.B. nach einem Unfall, Erkrankung, Gewaltopfer, etc. vorgenommen und die trotz aller biologischen Lebenszeichen de jure für „hirntot“ erklärt werden. Genaue Informationen zu diesem erfundenen Rechts-Tod finden Sie übrigens auf unserer Webseite www.orgaNOsProtection.com.

Fazit: Bei Lebendspenden von Ausländern (Non-Resident) ist also ein Gerichtsbeschluss in Portugal notwendig, bei Organentnahmen auf Basis des kontroversen „Hirntod-Konzeptes“ allerdings NICHT und sollten daher Urlauber durch einen entsprechenden Widerspruch auf Portugiesisch vorgesorgt haben.
Vorsicht also vor etwaigen Eigen-Interpretationen von Gesetzestexten!

 2. „Diese Organspenderegelungen einzelner Länder kann man einfach googeln“

Akribische Überprüfungen durch uns über mehr als 61 Webseiten/international (Organspende Pro und Contra-Webseiten, Presseartikel, Blogs, Krankenkassen-Seiten, Wikipedia etc.)

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Video: „Einfach“ widersprechen? – Organspende-Widerspruch im Fokus

Das neue orgaNOs Video soll Ihnen Einblicke in die Komplexität länderspezifischer Organspenderegelungen gewähren sowie die mitunter hochbürokratischen Auflagen für einen korrekten Widerspruch aufzeigen, die auch bei jeder Urlaubs- und Geschäftsreise zu berücksichtigen sind.

Dauer: 4 Minuten

Zum Start klicken Sie einfach auf das untere Bild.

 

„Einfach widersprechen?“ Organspende-Widerspruch im Fokus

Urlaubsziele: Spanien und Dominikanische Republik

Was Sie unbedingt über diese Reiseländer wissen sollten

Spanien ist für die meisten EU-Länder wichtigstes Ziel des Ausreiseverkehrs. Bei den insgesamt 60 Millionen Touristen aus aller Welt, die Spanien besuchen, liegt Deutschland an zweiter Stelle, gleich hinter den Briten.

Was allerdings die wenigsten wissen: In Spanien können Sie Organspender wider Willen werden
In Spanien gilt, was Organspende betrifft, die Widerspruchsregelung. Hier geht der Gesetzgeber grundsätzlich von einer Bereitschaft zur Organspende bei fehlendem Widerspruch zu Lebzeiten aus. Das bedeutet, dass ein schriftlicher Widerspruch, auf Spanisch (nicht auf Deutsch) unerlässlich ist, will man sich vor einer Explantation schützen.

Spanien ist übrigens weltweiter Rekordhalter, was die Anzahl an durchgeführten Explantationen betrifft. Gemäß Organización Nacional de Trasplantes (ONT) war 2013 sogar das Jahr mit den höchst erreichten Zahlen. ONT führt dies u.a. auf mehrere Faktoren zurück:

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Organspendeausweis: Warnung vor falschen Informationen

Da wir immer wieder auf die Verbreitung von falschen Informationen im Hinblick auf die angebliche „internationale Gültigkeit“ des deutschen Organspendeausweises sowie deren falsche bzw. mangelhafte Übersetzungen im Internet stoßen und auch die unterschiedlichen Landesregelungen im Bereich Organtransplantation immer wieder falsch dargestellt werden, möchten wir auf diesem Wege aufklären bzw. warnen, dass hier große Vorsicht geboten ist!

Die Information seitens der BZgA, dass der Organspendeausweis aus Deutschland auch in anderen Ländern Gültigkeit hat, ist FALSCH!

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