Organspende-Werbung: Unseriöser geht`s nicht …

Heute geht es darum einmal aufzuzeigen, welche Mittel national und international bei der Organspende-Werbung eingesetzt werden, um immer mehr Menschen von der Organspende zu überzeugen bzw. dazu zu bringen, sich freudestrahlend aufschneiden und „recyclen“ zu lassen.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist anscheinend alles erlaubt: manipulative Sprache, Partys, affige Bilder, Comics, anstößige Fotos etc. etc.

Auch Gerhard Schweppenhäuser, Professor für Design, Kommunikations- und Medientheorie, hat bildgeprägte Kampagnen analysiert. Bei seinem Vortrag, „Feldzüge für Leben und Tod. Moral- und designphilosophische Überlegungen“, werden zunächst die einzelnen Teile der Bilder beschrieben, dann ihre Konnotationen untersucht – grob gesagt, das was mitschwingt, was wir mitdenken.

Beispielhaft führte er unter anderem die Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2013 an. Hier stand die freie Entscheidung im Mittelpunkt, der „Logos-Appell“, so Schweppenhäuser. Emotionalität, den „Pathos Appell“, brachten die Prominenten: Klaus Behrendt, Markus Lanz, Katie Wilhelm und andere halten den Ausweis in der Hand. Ein bisschen Ironie im Text führe zu einer „Entdramatisierung“. Kein Druck, kein erhobener Zeigefinger, ausgewogen würde er diese Kampagne nennen, so Schweppenhäuser. Sie vermittelt zwar, wer nicht mitmacht, stellt sich ins Abseits. Aber das sei seine Sache.

Sind bildgeprägte Kampagnen angemessen für ethische Fragen? Eigentlich nein. „Ambivalenz ist schwer bildlich darzustellen“, sagt Schweppenhäuser. Auftraggeber und Produzenten müssten reflektiert damit umgehen. Er wolle Kommunikationsdesignern deswegen philosophische Ansätze näher bringen.

Bildgebrauch habe Konsequenzen. Viele seien sich darüber gar nicht im Klaren (zum Originalartikel).

Hier nun internationale Beispiele aus der Organspende-Werbung, urteilen Sie selbst …

Werbung mit Prominenten (hier einige Beispiele aus Deutschland)

Ist wirklich ALLES gesagt worden?

Inwieweit Schmitz mit „Hirn“ entschieden haben soll, können Sie gerne selbst beurteilen (siehe offener Brief)

Werbung im Affenkostüm

Party-Stimmung bei Junge Helden

 

 

 

 

 

 

Der „Vorzeige-Schweiger“ versus der wahre Schweiger:

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Werbung mit Cartoons

Übersetzung: „Im Himmel nennt man sie Engel und auf der Erde Organspender.“

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Organspende-Werbung suggeriert Superhelden-Status

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Unterschwellige Botschaften
be a thinker

„Sei ein Denker, Sei ein Tuer, Sei ein Spender.“

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„Lassen Sie Ihre Organe unten. Danke.“

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„Ich möchte Organspender sein. Ich folge Dir. Ich folge Dir …“

kind und müll

„Eines von den beiden bekommt Ihre Organe. Sie entscheiden.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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„Nach seiner Nierentransplantation hatte William einen erholsamen Urlaub in der Sonne.“

„..voll gut..“

 

 

 

 

 

 

 


 

Werbung mit schönen nackten Menschen
gerne auch sinnlich dargestellt

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Werbung

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Werbung mit Sex

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„Organspender zu werden ist vermutlich die einzige Chance, um in sie hineinzukommen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ohne Worte …

„Komm schon. Sei kein Trottel. Du weißt genau, das ist nicht, worüber wir hier reden.“ Du wirst tot sein. Es wird nicht weh tun. Es wird Menschenleben retten. Also spende Deine Organe, oder was? Ruf an …

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Offener Brief an Komiker Ralf Schmitz bezüglich seinem Organspende-Werbespot(t)

 

index


Sehr geehrter Herr Schmitz,

mit großer Bestürzung sind wir auf Ihren Werbespot(t) für die Organspende „Kein Witz!“ und auch Ihr Interview, in dem Sie Ihre Beweggründe dafür erläutern, gestoßen und müssen Ihnen, entgegen Ihrer Meinung:

Humor dient als Türöffner, um festzustellen, ach so schlimm ist es gar nicht… Und gerade bei diesem Thema darf Humor ganz viel, ich trete niemandem auf die Füße (…) man muss es so wirklich sagen, dass es wirklich eine gute Sache ist“,

leider mitteilen, dass Sie damit völlig falsch liegen. Ich will Ihnen das gerne wie folgt begründen:

1. Auf der einen Seite, Herr Schmitz, haben wir die Organempfänger. Sehr kranke Menschen, die sich in ihrer Verzweiflung und Hoffnung auf ein besseres Leben sogar Organe von fremden Menschen einpflanzen lassen – oft mehrfache Operationen dafür notwendig sind, da das fremde Organ gleich zu Beginn abgestoßen wird. Ca. 30% von ihnen werden bereits im 1. Jahr sterben, weitere wenige Jahre später in Folge von Krebserkrankungen, Nierenversagen usw., verursacht durch die Immunsuppressiva, die sie gezwungen sind ein Leben lang einzunehmen. Von den psychischen Belastungen jetzt einmal ganz zu schweigen.

2. Auf der anderen Seite haben wir die Organspender, sterbende Menschen, die zum Zeitpunkt der Hirntod-Feststellung noch leben und de facto durch die Organexplantation grausam getötet werden.

3. Weitere Problematik: Untersuchungen haben gezeigt, dass es mitunter häufig zu Hirntod-Fehldiagnosen kommen kann und somit auch Patienten, die ev. noch eine Chance auf Genesung gehabt hätten, „irrtümlich“ als Organspender enden (https://organosinfo.wordpress.com/2014/03/03/gravierende-fehler-bei-hirntod-diagnosen/).

So viel zu „ach so schlimm ist es gar nicht..“

Und nun zu: „eine wirklich gute Sache“: Ein Fall, der sich vor ein paar Monaten in Indien ereignete: Ein 8-jähriges Mädchen wurde wegen Dehydrierung ins Krankenhaus

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