Forschungen zu Organspende-Kampagnen

Ja? Nein? Vielleicht?

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Originalartikel hier zu lesen)

Projekt erforscht Einstellungen zur Organspende

Seit zwei Jahren erforscht das Institut für Soziologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Kooperation mit dem Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), was die Entscheidung gegen eine Organspende motiviert und welche Rolle die öffentliche Diskussion dabei spielt. Dafür interviewte das Projektteam 60 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet, die einer Organspende skeptisch gegenüberstehen. Zusätzlich wurden über 80 Plakatmotive von Organspende-Kampagnen analysiert. Erste Ergebnisse der Studie werden bei der öffentlichen Podiumsdiskussion „Organspende zwischen Aufklärung und Reklame – ein Gespräch über Kampagnen, Medien und Kritik“ am Montag, 18. Juli, in der alten Universitätsbibliothek Erlangen diskutiert.

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Organspende-Werbung: Unseriöser geht`s nicht …

Heute geht es darum einmal aufzuzeigen, welche Mittel national und international bei der Organspende-Werbung eingesetzt werden, um immer mehr Menschen von der Organspende zu überzeugen bzw. dazu zu bringen, sich freudestrahlend aufschneiden und „recyclen“ zu lassen.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist anscheinend alles erlaubt: manipulative Sprache, Partys, affige Bilder, Comics, anstößige Fotos etc. etc.

Auch Gerhard Schweppenhäuser, Professor für Design, Kommunikations- und Medientheorie, hat bildgeprägte Kampagnen analysiert. Bei seinem Vortrag, „Feldzüge für Leben und Tod. Moral- und designphilosophische Überlegungen“, werden zunächst die einzelnen Teile der Bilder beschrieben, dann ihre Konnotationen untersucht – grob gesagt, das was mitschwingt, was wir mitdenken.

Beispielhaft führte er unter anderem die Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2013 an. Hier stand die freie Entscheidung im Mittelpunkt, der „Logos-Appell“, so Schweppenhäuser. Emotionalität, den „Pathos Appell“, brachten die Prominenten: Klaus Behrendt, Markus Lanz, Katie Wilhelm und andere halten den Ausweis in der Hand. Ein bisschen Ironie im Text führe zu einer „Entdramatisierung“. Kein Druck, kein erhobener Zeigefinger, ausgewogen würde er diese Kampagne nennen, so Schweppenhäuser. Sie vermittelt zwar, wer nicht mitmacht, stellt sich ins Abseits. Aber das sei seine Sache.

Sind bildgeprägte Kampagnen angemessen für ethische Fragen? Eigentlich nein. „Ambivalenz ist schwer bildlich darzustellen“, sagt Schweppenhäuser. Auftraggeber und Produzenten müssten reflektiert damit umgehen. Er wolle Kommunikationsdesignern deswegen philosophische Ansätze näher bringen.

Bildgebrauch habe Konsequenzen. Viele seien sich darüber gar nicht im Klaren (zum Originalartikel).

Hier nun internationale Beispiele aus der Organspende-Werbung, urteilen Sie selbst …

Werbung mit Prominenten (hier einige Beispiele aus Deutschland)

Ist wirklich ALLES gesagt worden?

Inwieweit Schmitz mit „Hirn“ entschieden haben soll, können Sie gerne selbst beurteilen (siehe offener Brief)

Werbung im Affenkostüm

Party-Stimmung bei Junge Helden

 

 

 

 

 

 

Der „Vorzeige-Schweiger“ versus der wahre Schweiger:

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Werbung mit Cartoons

Übersetzung: „Im Himmel nennt man sie Engel und auf der Erde Organspender.“

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Organspende-Werbung suggeriert Superhelden-Status

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Unterschwellige Botschaften
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„Sei ein Denker, Sei ein Tuer, Sei ein Spender.“

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„Lassen Sie Ihre Organe unten. Danke.“

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„Ich möchte Organspender sein. Ich folge Dir. Ich folge Dir …“

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„Eines von den beiden bekommt Ihre Organe. Sie entscheiden.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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„Nach seiner Nierentransplantation hatte William einen erholsamen Urlaub in der Sonne.“

„..voll gut..“

 

 

 

 

 

 

 


 

Werbung mit schönen nackten Menschen
gerne auch sinnlich dargestellt

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Werbung

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Werbung mit Sex

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„Organspender zu werden ist vermutlich die einzige Chance, um in sie hineinzukommen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ohne Worte …

„Komm schon. Sei kein Trottel. Du weißt genau, das ist nicht, worüber wir hier reden.“ Du wirst tot sein. Es wird nicht weh tun. Es wird Menschenleben retten. Also spende Deine Organe, oder was? Ruf an …

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„Warum schweigen die Lämmer?“ Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements

Dies ist ein sehr interessanter Vortrag, der an der Christian Albrechts Universität Kiel, am 22.06.2015, abgehalten wurde:

„Warum schweigen die Lämmer?“ Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement.
Prof. Dr. Rainer Mausfeld

Die gleichen Techniken werden beim Thema der Organspende angewendet, um – wie es im Vortrag heißt – „Fakten, die empören würden, unsichtbar zu machen“ …

 

Neue Organspende-Kampagne: Werbung oder Propaganda?

„Ich entscheide…“ oder wird für mich entschieden?

Um herauszufinden, ob es sich bei der Organspende-Werbung um Propaganda handelt, muss man erst verstehen, was Propaganda ist:

Laut Politik-Lexikon bedeutet das lateinische Wort propagare auf Deutsch erweitern oder ausdehnen. Propaganda bedeutet also die gezielte und systematische Verbreitung von Ideen, Weltanschauungen oder Meinungen. Bei politischer Propaganda geht es auch um die Manipulation von Meinungen und Einstellungen, deshalb hat dieser Begriff auch einen negativen Beigeschmack.

Die Bundeszentrale für politische Bildung fasst zusammen:
Propaganda ist der Versuch der gezielten Beeinflussung des Denkens, Handelns und Fühlens von Menschen. Wer Propaganda betreibt, verfolgt damit immer ein bestimmtes Interesse. In Verbindung mit dem Krieg machen Politiker und Militärs von Propaganda Gebrauch, um zum Beispiel die eigene Bevölkerung von einem Krieg zu überzeugen. Sie betonen die Notwendigkeit des Krieges (vernichtenswerte Feinde, Sicherheit der eigenen Bevölkerung, Absetzung eines brutalen Regimes etc.) und blenden alle anderen Aspekte aus (eigene Macht- und Wirtschaftsinteressen, ausgelöstes Kriegsleid, Kriegsverbrechen der eigenen Soldaten etc.).

Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen.

Hier zeigt sich der große Unterschied etwa zur journalistischen Information: Journalisten betreiben Aufklärung, indem sie alle verfügbaren Fakten und Hintergründe darlegen und die Menschen selbst entscheiden lassen, was richtig und was falsch ist.

Sehen wir uns in diesem Zusammenhang die Organspende-„Werbung“ einmal an:

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