Schockierender Vorschlag in Großbritannien: Kinder als „Ersatzteile“

Die Britische Transplantationsgesellschaft schlägt vor, schwangere Frauen, deren Kinder schwere Missbildungen aufweisen, nur im Hinblick auf eine spätere Organentnahme von einer Fortsetzung der Schwangerschaft zu überzeugen

Herrscht in Großbritannien ein Mangel an Organen für Transplantationen? Einige Ärzte haben eine Lösung gefunden: Schwangere, deren Föten in den ersten Phasen der Schwangerschaft Krankheiten entwickeln, von einer Abtreibung abzuhalten, um dem National Health Service die Entnahme und Verwendung von Organen der Babys zu ermöglichen.

Die von der Daily Mail in Umlauf gebrachte Nachricht löste bereits starke Kontroversen aus. Die Anhänger dieser umstrittenen Lösung begegneten einander im Rahmen einer Ärztekonferenz in Glasgow bei der British Transplantation Society. In Anbetracht der Tatsache, dass in den vergangenen zwei Jahren im gesamten Vereinigten Königreich nur 11 Kinder unter zwei Monaten zu „Spendern“ von Organen wurden, entstand die Überlegung der Ärzte, diese Praxis auf bis zu 100 Kinder pro Jahr auszuweiten.

Einer der Befürworter, der Chirurg Niaz Ahmad vom St. James’s University Hospital in Leeds behauptete ohne Umschweife: „Wir befinden uns vor einer gültigen Quelle für landesweite Organtransplantationen“. Dem fügte der Chirurg hinzu, dass viele Ärzte diese Möglichkeit nicht einmal kannten, weshalb Aufklärungsarbeit notwendig sei.

Eine Möglichkeit betreffe Kinder, bei denen im Laufe der Schwangerschaft eine  angeborene Fehlbildung des Hirns namens Anenzephalie diagnostiziert worden sei. Laut den englischen Ärzten bestehe bei diesem Problem, das nach 12 Wochen am Fötus festzustellen sei, eine sehr geringe Überlebenschance.

Ihrem Vorschlag zufolge müssten die Mütter von Kindern mit dieser Krankheit diese zur Welt bringen und nach der ärztlichen Feststellung deren Todes sollten die Organe entfernt werden. Wichtig ist, dass die Organentnahme nur bei Vorliegen eines Hirntodes erfolgen kann. In diesem Fall wird der Spender einer künstlichen Belüftung unterzogen, um der unwiederbringlichen Einstellung der Aktivitäten entgegenzuwirken.

Im vergangenen Jahr wurden in Großbritannien die Leitlinien bezüglich der Organentnahme geändert, um Chirurgen vorbehaltlich der Erlaubnis der Eltern die Entnahme von Organen von Neugeborenen im Vergleich zur Vergangenheit zu erleichtern.

Im Jahr 2014 erlangte die Debatte auf der Insel große Aktualität, als Teddy Houlston zum jüngsten Spender in der Geschichte Großbritanniens wurde. Der von Anenzephalie betroffene kleine Junge starb kurz nach seiner Geburt und wurde gerade 100 Minuten später einer Organentnahme unterzogen. Seine beiden Nieren und Herzklappen retteten einem Erwachsenen das Leben.

Nicht wenige Ärzte bleiben jedoch vehemente Gegner der Vorstellung, seelisch verletzte Mütter nach der Feststellung einer Fehlbildung ihres Ungeborenen davon zu überzeugen, dieses nur auszutragen, um eine im Operationssaal einzusetzende Organreserve zu erhalten.

Dieser Ansicht ist Prof. Trevor Stammers, der Leiter der Universität für Bioethik St. Mary. Er gibt dazu die folgende energische Stellungnahme ab: „Ehrlich gesagt wäre es widersinnig, wenn Ärzte Mütter von Kindern mit einer schweren Krankheit, die noch nicht einmal geboren sind, mit dem alleinigen Ziel aus dem Körper ihrer Kleinen Organe zu entnehmen, darum bäten die Schwangerschaft zu Ende zu führen“.

Stammers weist auf das Paradoxon hin, wonach Frauen in diesen Fällen bisher zur Abtreibung unter Druck gesetzt worden seien, sodass man sie im Falle eines Wunsches der Fortsetzung der Schwangerschaft als „dumm“ bezeichnet habe. In diesem Zusammenhang äußert der Arzt die Überlegung: „Es ist besorgniserregend, dass diese Frauen nun zu einer Fortsetzung der Schwangerschaft ermutigt werden sollen, wobei die ausdrückliche Absicht besteht, dem Kind Organe zu entnehmen. Was würde geschehen, wenn sie ihre Meinung ändern, sobald sie ihr neugeborenes Kind sehen?“

Laut Stammers handelt es sich um eine „makabre Empfehlung“, die das Vertrauen der öffentlichen Meinung gegenüber der Transplantation erschüttern könne. Stammers spricht diesbezüglich von „einem der bedeutendsten Fortschritte in der Medizin“. Er ergänzt, dass das Kind so zu einem „Mittel zum Zweck der Sammlung von Ersatzteilen“ degradiert werde.

Vor diesem Hintergrund stellt sich Prof. Stammers die Frage: „Ja, diese Organe haben das Potenzial, anderen das Leben zu retten, doch wie hoch ist der Preis für unsere Menschlichkeit?“ Laut Meinung des Professors zollt dieser Vorschlag dem Leben keinen Respekt und knüpft an die traurige Praxis an, die Organe von durch Euthanasie getöteten Erwachsenen zu verwenden (Originalartikel hier zu lesen)

Video: Spanien – Der Kampf um die 6jährige Marina

Folgendes Video wurde uns mit freundlicher Genehmigung von
Dr. med. Regina Breul und Silvia Matthies zur Verfügung gestellt:

Ein Film über Hirntod-Falschdiagnose, ärztliche Skrupellosigkeit und gewaltsames Vorgehen

„Warum musste Marina sterben?“

 

Auszüge aus dem Film:
Offiziell wurde Marina seit März 2012 von den Ärzten als hirntot erklärt. Doch ihre Mutter, eine spanische Ärztin, zweifelte an der Diagnose. Laut Ärzten sei nichts mehr zu machen, außer eine Organspende, der die Mutter aber nicht zustimmte.

Später erfährt die Mutter aus den Akten, dass die Ärzte Marina immer wieder Atropin spritzten. Ein auch in Deutschland gängiges Mittel, den Verdacht auf Hirntod zu bestätigen. Darüber hinaus erhielt Marina die 3-fache Dosis der für sie verträglichen Menge und verursachten dadurch ein Ödem in ihrem Gehirn.

Trotz der Ablehnung der Mutter, ihr Kind für eine Organspende freizugeben, wurde Marina hinter ihrem Rücken bei der ONT (nationale Organspenderorganisation) gemeldet. Eine Pflegekraft signalisiert der Mutter, dass man ihr Kind auf der Intensivstation bereits auf die Organentnahme vorbereitet. Daraufhin möchte die Mutter ihr Kind sofort aus dem Krankenhaus nehmen.

Das Krankenhaus ist zunächst nicht einverstanden und verlangt umfassende unterzeichnete Erklärungen seitens der Mutter, dass sie die Verantwortung übernehme, falls das Kind auf dem Transportweg sterben würde. Eine grotesk anmutende Situation: Ein bereits für tot erklärtes Kind, bei dem die Ärzte damit drohen, dass es auf dem Transport in eine andere Klinik sterben könnte.

Marina wird schließlich in ein anderes Krankenhaus verlegt. Dort wird sie aber nicht als Leiche, sondern als Koma-Patientin behandelt. Außerdem bestätigt das zweite Krankenhaus, dass Marina keinesfalls hirntot ist. Nach 3-wöchigem Aufenthalt ist der Zustand des Kindes besser geworden und die Mutter kann ihr Kind mit nach Hause nehmen.

Eines Tages teilt man der Mutter ohne ersichtlichen Grund mit, dass Marina auf richterliche Anweisung zur Abklärung in das Universitätsklinikum in Murcia verlegt werden müsse. Ausgerechnet dorthin, wo man sie 2 Monate zuvor für hirntot erklärt hatte und sie zur Organentnahme freigeben wollte. Die Ärzte dort bestehen weiterhin auf ihrer ursprünglichen Hirntod-Diagnose. Hinter dem Rücken der Mutter versuchen sie über das Gericht zu erwirken, dass das Beatmungsgerät abgeschaltet werden kann. Der Richter stimmt nicht zu.

Die Mutter kann gegen den Willen des Krankenhauses Marina mit nach Hause nehmen. Sie entschließt sich mit ihr eine neurologische Spezialklinik aufzusuchen, dort will sie die strittige Hirntod-Diagnose überprüfen lassen. Der Befund ergibt, dass eine Hirnaktivität vorhanden ist und Marina nicht hirntot ist. Das Universitätsklinikum in Murcia lag also falsch.

Marina macht aufgrund zahlreicher physiotherapeutischer Übungen durch die Mutter, kleine, aber sichtbare Fortschritte. Trotz alle dem, die folgenden Monate sind für die Mutter ein nicht enden wollender Albtraum. Immer wieder steht stundenlang ein Polizeiauto vor dem Haus, immer wieder muss sie sich mit Behörden und Gerichten auseinandersetzen. Mittlerweile hat die Provinz Murcia für Marina einen Totenschein ausgestellt. Aus diesem Grund wird dem „tot erklärten“ Kind jegliche ärztliche Behandlung verweigert.

Aussage der Mutter, Frau Dr. Garrido-Hartmann: „Ich denke, dass dürfte nicht sein, dass die Ärzte in jedem Krankenhaus so ein Recht auf das Leben von Patienten haben, dass die entscheiden können, wer leben soll und wer sterben soll. Dass sie entschieden hätten, die Marina sollte sterben und wir können das Beatmungsgerät abschalten. Ich dachte nicht, dass so etwas in Spanien passieren konnte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie so entscheiden, nur weil ein kleines Kind im Koma ist, (…) und ich weiß nicht, warum sich Ärzte so etwas erlauben, also mit welchem Recht über das Leben von jemand anderem …?“

Wegen der rechtlich strittigen Situation wird Marina zwar weiterhin künstlich beatmet, aber ansonsten schlecht versorgt. Und obwohl der Entlassungsschein schon ausgefüllt ist, legt der Arzt aus unerfindlichen Gründen der für tot erklärten Marina ohne Zustimmung der Mutter noch ein Nadel-EEG. Eine unübliche Methode, die Schmerzen bereitet.

Die Mutter darf Marina schließlich wieder mit nach Hause nehmen, aber sie ist völlig auf sich allein gestellt.

Mitte Februar 2013 passiert es: Wie schon mehrmals zuvor, gibt es Probleme mit dem Beatmungsgerät. In ihrer Not alarmiert die Mutter den Notarzt. Der kommt auch, verweigert aber die Behandlung und jede noch so kleine Hilfestellung. Aber er telefoniert. Dann verlässt er kommentarlos das Haus. Dafür erscheint kurze Zeit später die Polizei. 8 Beamte der Guardia Civil versuchen sich gewaltsam Einlass durch die Terrassentür zu verschaffen

Klicken Sie hier zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=wln3PuklYzA

 

(Kleine) Kinder dürfen große Entscheidungen treffen

Wie schnell doch die Zeit vergeht. Heute haben wir sie noch liebevoll als Baby im Arm gehalten und morgen fragen sie uns mit 14 Jahren, ob sie nicht etwas länger ausbleiben dürfen. In unseren Augen noch Kinder, die jede Menge Unterstützung und Hilfe benötigen, in den Augen des Staates bereits Erwachsene, die selbständig gravierende Entscheidungen in einem der umstrittensten Gebiete in der Medizin treffen dürfen.

Nach dem deutschen Transplantationsgesetz können Kinder bis zum 14. Geburtstag die Absicht der postmortalen Organspende erklären.

Obwohl Kinder vom Vertrauensgrundsatz im Straßenverkehr ausgenommen sind, in diesem Alter nicht länger wie bis 22.00 Uhr alleine ins Kino gehen dürfen und noch bis zum 18. Lebensjahr die Eltern um Erlaubnis für ein Piercing oder Tattoo fragen müssen (weil dies rein rechtlich einer Körperverletzung gleichkommt), wird das in Punkto Organspende nicht so streng genommen. Kinder dürfen bereits mit 14 Jahren eigenständig darüber entscheiden, was mit ihrem Körper im Falle eines diagnostizierten Hirntodes geschehen soll. In Deutschland dürfen die Eltern wenigstens noch wirksam dagegen widerrufen. Allerdings können Jugendliche ab dem 16. Geburtstag ihre Bereitschaft zur Organspende wirksam erklären.

Nicht so in Österreich: Im vergangenen Jahr wurde das Erwachsenenalter im Bereich der Organspende herabgesetzt. Was 2012 erst mit 16 Jahren anerkannt wurde, ist jetzt schon mit 14 Jahren gesetzlich wirksam!

Da es schließlich das Ziel staatlicher Bemühung ist, künftig leichter und vermehrt an Organe zu gelangen, ist es natürlich naheliegend auch vor unseren Kindern, die noch leichter zu beeinflussen sind, nicht halt zu machen. Durch Integration in den schulischen Unterricht soll möglichst früh eine positive Einstellung und die Bereitschaft zur Organspende dementsprechend geprägt und gefördert werden. Dass junge Promis wie Justin Bieber beispielsweise auch auf Twitter dafür werben, erschwert die Situation noch.

Wir sind der Sache auf den Grund gegangen und wollten nun wissen, was eigentlich geschieht, wenn sich Eltern und Kinder in diesem Fall nicht einig sind? Ein 14jähriges Mädchen beispielsweise widersetzt sich ihrem Vater, sich in das österreichische Widerspruchsregister eintragen zu lassen, da sie sich dafür entschieden hat, Organspender zu sein.

Das ist die Antwort, die wir erhalten haben:

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