Forschungen zu Organspende-Kampagnen

Ja? Nein? Vielleicht?

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Originalartikel hier zu lesen)

Projekt erforscht Einstellungen zur Organspende

Seit zwei Jahren erforscht das Institut für Soziologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Kooperation mit dem Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), was die Entscheidung gegen eine Organspende motiviert und welche Rolle die öffentliche Diskussion dabei spielt. Dafür interviewte das Projektteam 60 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet, die einer Organspende skeptisch gegenüberstehen. Zusätzlich wurden über 80 Plakatmotive von Organspende-Kampagnen analysiert. Erste Ergebnisse der Studie werden bei der öffentlichen Podiumsdiskussion „Organspende zwischen Aufklärung und Reklame – ein Gespräch über Kampagnen, Medien und Kritik“ am Montag, 18. Juli, in der alten Universitätsbibliothek Erlangen diskutiert.

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Frankreich: Nebenwirkung Hirntod – ein Patient stirbt, fünf werden krank …

Bei einer klinischen Studie für ein neues Medikament stirbt ein Patient, fünf werden krank. Wer trägt dafür Schuld ?

Originalartikel von Christina Berndt Süddeutsche. de

Ein Mann starb, fünf weitere kamen mit Hirnschäden in die Klinik – und doch war alles regelkonform. Zu diesem Schluss kommt die französische Generalinspektion für Soziale Angelegenheiten (Igas) in ihrem Abschlussbericht zu dem tragischen Medikamententest, der sich im Januar in Rennes ereignete. Die Standards für klinische Studien seien eingehalten worden, betonte Gesundheitsministerin Marisol Touraine: „Der Abschlussbericht bestätigt, dass die Bedingungen, unter denen die Studie zugelassen wurde, nicht gegen bestehendes Recht verstießen.“

Damit entlastet Touraine nicht nur die Firma Biotrial, die den tödlichen Test im Auftrag des portugiesischen Pharmaherstellers Bial durchführte, sondern auch die französische Arzneimittelbehörde ANSM. Fachleute üben Kritik an dem Studienprotokoll. Denn die sechs Männer, die als Letzte den neuartigen Wirkstoff in besonders hoher Dosis erhielten und dadurch schwer erkrankten, bekamen die noch weithin unerforschte Substanz gleichzeitig. Wären sie nacheinander behandelt worden, wäre manches Elend wohl verhindert worden.

So aber erhielten fünf Probanden die Testarznei sogar noch, als es dem 49-jährigen Guillaume Molinet schon schlecht erging. Wie die anderen Probanden hatte der Sänger, Maler und Dichter sich der Forschung vor allem wegen der 1900 Euro zur Verfügung gestellt, die er dafür bekam. Dass die Arznei namens BIA 102474 gegen neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson helfen sollte, war für ihn ebenso wie für seine Mitprobanden belanglos. Alle waren gesund. An ihnen wollte man testen, wie viel BIA 102474 Menschen vertragen.

Weniger als gedacht, wie sich bald herausstellte: Drei Tage nach Studienbeginn, am 10. Januar, erlitt Molinet Seh- und Sprachstörungen, in seinem Gehirn kam es zu Blutungen. Dennoch verabreichten die Ärzte den fünf anderen Probanden am nächsten Tag erneut die Substanz – unter ihnen auch dem 42-jährigen Stéphane Schubhan, Vater von fünf Kindern. Als dieser über Sehstörungen und Kopfschmerzen klagte, hätten die Ärzte im Studienzentrum ihm nur geraten, er solle Paracetamol nehmen, sagte Schubhan später. „Sie wollten mich abwimmeln.“ Bis heute sehe er doppelt, leide unter Schwindel und Unwohlsein. Molinet starb am 17. Januar.

Trotz der Klagen der Probanden unternahm die Firma Biotrial tagelang nichts. Erst am 14. Januar, als schon fünf der sechs Männer unter neurologischen Ausfällen litten, informierte sie die Aufsichtsbehörde. Das sei zu spät gewesen, kritisierte Ministerin Touraine. Auch rügte sie die Herstellerfirma Bial, weil diese nicht auf besondere Risiken hinwies. Aber gegen die Gesetze hätten beide damit nicht verstoßen, da diese einen gewissen Spielraum lassen.

Immerhin, so viel stellt die Ministerin doch fest: Wenn bei diesem fatalen Medikamententest alles regelkonform war, dann müssen die Regeln wohl verschärft werden. Künftig sollen Gesundheitsämter regelmäßig die Studienzentren kontrollieren und monatlich Berichte über Nebenwirkungen abfragen. Zudem soll die Unabhängigkeit der Ethikkommissionen, die Arzneistudien an Menschen zulassen, gestärkt werden. Pharmafirmen dürfen darin nicht mehr vertreten sein. Tatsächlich saß in der zuständigen Kommission in Brest ein Biotrial-Mann.

US-Firma will Hirntote vor dem Tod bewahren

Als offiziell tot gelten Menschen in den meisten Ländern erst, wenn ein Mediziner einen kompletten und unumkehrbaren Hirntod feststellt. Das klingt ziemlich endgültig. Doch eine amerikanische Firma will hirntote Patienten nun vor dem endgültigen Tod bewahren.

  • Ein Gesundheitsunternehmen will Hirntote zurück ins Leben holen.
  • Die Forscher erwarten sich bis 2017 erste Erkenntnisse.

Das Gesundheitsunternehmen „Bioquark“ forscht an sogenannten Reparatur- und Reanimationstechniken, mit denen der Hirntod in Zukunft nicht mehr das endgültige Todesurteil sein muss. „Wir bekommen immer wieder gesagt, dass der Hirntod unumkehrbar ist und als ‚Endstation‘ angesehen werden kann, “ sagt „Bioquark“-Chef Ira Pastor.

Regeneration des „toten“ Hirns soll möglich werden

„Während es natürlich stimmt, dass es dem Menschen an substantiellen Regenerierungs-Fähigkeiten im zentralen Nervensystem fehlt, können viele andere Spezies wie einige Fische, Amphibien oder auch Würmer ihr Gehirn und Teile des Stammhirns reparieren, regenerieren und re-modellieren – trotz vorausgegangenem lebensbedrohlichem Trauma,“ erklärte Pastor. Deshalb sollte das – mit Hilfe von modernster medizinischer Technik – auch bald beim Menschen möglich sein. Pastor ist neben Dr. Sergei Paylian, dem Gründer von Bioquark, Mitglied des beratenden Gremiums des Projekts „ReAnima“.

Forschung soll an Patienten stattfinden

„Die Mission des ReAnima-Projekts ist es, sich auf klinische Forschung in Sachen Hirntod oder unumkehrbarem Koma zu fokussieren; an Patienten, die die Kriterien für einen Hirntod schon erfüllen, aber immer noch mit lebenserhaltenden Maßnahmen vor dem Tod bewahrt werden – ein Zustand, der in vielen Ländern als ‚lebender Kadaver‘ betitelt wird,“ so Pastor gegenüber „MailOnline“. Das Team des Projekts will 15- bis 65-jährige Individuen untersuchen, die für hirntot erklärt wurden, aber dennoch am Leben sind.

Ambitionen könnten Leben retten

Außerdem sollen Techniken, die beispielsweise Laser, aber auch Stammzellen umfassen, zum Einsatz kommen – alles unter ständiger Beobachtung per Kernspin, um eventuelle Hirnaktivitäten beobachten zu können. Bis 2017 erwartet sich Pastor erste Erkenntnisse: „Wir glauben, dass wir kurz vor dem Punkt stehen, an dem die Begriffe  ‚Koma‘ und ‚Hirntod‘ verschwimmen“, sagte er MailOnline. Falls die Ambitionen von „ReAnima“ erfolgreich sind, könnte das vielen Menschen das Leben retten (hier der Originalartikel zu lesen).

Größter Forschungsskandal: Tod durch Luftröhren-Transplantation

2011 wurde am Karolinska-Institut in Stockholm dem ersten Patienten eine spezielle künstliche Luftröhre eingesetzt. Der Eingriff des weltberühmten Chirurgen Paolo Macchiarini wurde als Sensation gefeiert. Doch inzwischen sind sechs Patienten verstorben. Alles deutet auf einen Forschungsskandal hin – der Star-Chirurg soll Ergebnisse seiner Luftröhren-Transplantationen geschönt und das Leben von Patienten aufs Spiel gesetzt haben.

In Schweden erschüttert ein Forschungsskandal das renommierte Karolinska-Institut, das alljährlich den Nobelpreis für Medizin vergibt. Der Chirurg Paolo Macchiarini hatte dort zwischen 2011 und 2012 mehreren Patienten eine künstliche Luftröhre eingesetzt und später auch Menschen in Russland operiert. Mindestens sechs der acht Patienten starben, mindestens eine der beiden Überlebenden muss weiterhin intensivmedizinisch betreut werden.

Eine Fernseh-Dokumentation des Schwedischen Fernsehens hat den Fall im Januar öffentlich gemacht und aufgezeigt, dass auch die Leitung des Karolinska-Instituts tief in den Fall verwickelt ist. In der vergangenen Woche ist bereits der Generalsekretär der Nobelversammlung zurückgetreten.

Aus lebensrettend wurde lebensbedrohlich

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