Großbritannien: Hirntote wieder zurück im Leben

Hirntot und „ohne Hoffnung auf Genesung“: Ärzte stellen Maschinen ab – da wackelt Sam (22) mit dem Zeh

„Sie ist im wahrsten Sinne von den Toten auferstanden“

(Originalartikel auf RTL zu lesen) Nach einem Autounfall lag Sam Hemming aus Credenhill in der englischen Grafschaft Herefordshire im künstlichen Koma. Sie hatte schlimme Kopfverletzungen davongetragen, ihr Gehirn zeigte auf dem EEG keine Aktivitäten mehr. Ärzte sagten den Eltern, es gebe keine Hoffnung auf Genesung mehr und schalteten die lebenserhaltenden Maschinen ab. Dann wackelte die 22-jährige Jurastudentin plötzlich mit dem großen Zeh. Trotz ihrer schweren Verletzungen und entgegen aller Prognosen kämpfte sich Sam zurück ins Leben.

Das Auto, in dem Sam und ihr Freund saßen, hatte sich bei dem Unfall überschlagen. Tom Curtis (21) kam mit leichten Blessuren davon, Sam hingegen war durch die Wucht des Aufpralls durch die Scheibe geschleudert worden und auf der Fahrbahn gelandet. Ihr linkes Ohr wurde abgetrennt, vier Wirbel in ihrem Genick waren gebrochen, der Schädel schwer verletzt.

Nach einer sechsstündigen Operation hatten Ärzte Sam ins künstliche Koma versetzt. 19 Tage später teilten sie den Eltern mit, sie sollten sich besser auf das Schlimmste gefasst machen. Nachdem der Hirntod der jungen Frau festgestellt worden war, rieten sie ihnen, die Maschinen abzustellen. „Wir versammelten uns in ihrem Raum, um Lebewohl zu sagen. Sie schalteten die Maschinen ab und ich schrie“, erzählt Sams Mutter Carol der britischen ‚Dailymail‘. Doch dann geschah ein Wunder. Sam wackelte mit dem großen Zeh, als ein Sanitäter sie dort aus Versehen mit einem kalten Waschlappen berührte. „Die Computer zeigten plötzlich Hirnaktivität. Es war unglaublich“, erinnert sich Carol. Die Ärzte reagierten sofort und versetzten Sam zurück ins künstliche Koma.

Schon zuvor hatten sie den heiß-und-kalt-Test gemacht, jedoch keine Hirnaktivität festgestellt. „Niemand weiß, warum alle anderen Tests negativ waren. Hirnverletzungen sind komplex und unberechenbar“, sagt Sams Mutter. „Sie ist im wahrsten Sinne von den Toten auferstanden. Sammy sollte eigentlich nicht mehr leben. Sie hat die schlimmsten Verletzungen erlitten, die ein Mensch bei einem Unfall davontragen kann.“ Und trotzdem. Tage, nachdem Sam Hemming sterben sollte, wurden die lebenserhaltenden Maschinen erneut abgeschaltet – und die junge Frau atmete selbstständig weiter. Nur acht Wochen später war sie sogar so stabil, dass sie nach Hause konnte, wo sie nun mit ihrem Vater Jason und ihrer Mama Carol lebt, die ihren Job aufgegeben hat, damit sie sich rund um die Uhr um ihre Tochter kümmern kann. „Hätte sie nicht mit dem Zeh gewackelt, wäre sie heute nicht mehr hier“, sagt Carol der ‚Dailymail‘.

Bei dem Unfall war die linke Seite ihres Gehirns irreparabel beschädigt worden. Die rechte Seite jedoch war noch intakt, hat sich entwickelt und einige Funktionen der linken Gehirnhälfte übernommen, sodass Sam heute wieder gehen und sprechen kann. „Wegen dieser Fortschritte ist sie ein wandelndes Wunder. Die Ärzte waren völlig geschockt.“ Ganz langsam erholt sich Sam, sie bekommt täglich Physiotherapie, ist wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung in psychotherapeutischer Behandlung. Ärzte arbeiten mit ihr zusammen, damit sich ihr Hirn noch weiter entwickeln kann. „Wenn ich Bilder von mir im Koma sehe, dann erscheinen sie mir unwirklich. Dass mein Zeh mir das Leben gerettet hat, ist einfach unglaublich. Ich bin dem medizinischen Team der Klinik, das mir geholfen hat, unendlich dankbar“, sagt die 22Jährige heute.

Sam hat große Pläne: Sie möchte wieder Jura studieren. „Vor dem Unfall wollte ich Anwältin werden und dieser Traum hat sich nicht geändert. Ich möchte noch immer Karriere im Rechtswesen machen.“

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