Organraub in China: bis zu 1,5 Millionen Morde durch Ärzte …

Geschäfte des Grauens

Originalartikel von Die Tagespost hier zu lesen

Erstmals hat das Europaparlament mit großer Mehrheit eine „Schriftliche Erklärung“ gegen den Organraub in China angenommen. Fast 400 Abgeordnete unterschrieben die von dem Europaabgeordneten Arne Gericke (Familien-Partei) und elf weiteren Kollegen aus vier Fraktionen initiierte Resolution. Für den Menschenrechtspolitiker Gericke ist das ein wichtiges Zeichen: „Europa macht klar, dass wir die staatlich genehmigten Organentnahmen und das damit verbundene Leid, die Ermordung zehntausender Menschen nicht dulden. Wir fordern Aufklärung von China und ein Ende dieses menschenverachtenden, milliardenschweren Handels.“ Betroffen seien davon neben Anhängern des Falun Gong auch Christen, Tibeter und Uiguren.

Initiiert wurde die Schriftliche Erklärung 48/2016 nach einem Treffen mit Betroffenen im Europaparlament: „Ich habe Fotos gesehen, Berichte unter Tränen, unglaubliches Leid – und es besteht für mich kein Zweifel“, sagt Arne Gericke: „Der organisierte und offensichtlich staatlich tolerierte Organraub ist traurige Realität. Wir sprechen von bis zu 1,5 Millionen Morden durch Ärzte, staatlich gefördert.“

Bereits am 12. Dezember 2013 hatte das Europäische Parlament eine Resolution verabschiedet, die China aufforderte, den Organraub an lebenden Gefangenen aus Gewissensgründen einzustellen. Die Resolution verurteilt deutlich und nachdrücklich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Seither ist wenig geschehen.

In der Volksrepublik China und mehreren anderen Ländern werden inhaftierten Menschen gegen ihren Willen Organe entnommen, um diese illegal zu verkaufen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Mehrheit der Opfer durch die Organentnahme getötet. Obwohl die Beweislage schwierig ist, gibt es außerdem eine Fülle sehr deutlicher Indizien dafür, dass vor allem in China in den vergangenen Jahren tausende Menschen aus Arbeitslagern völlig unschuldig zum Tode „verurteilt“ wurden, um ihre Organe gewinnbringend verkaufen und transplantieren zu können.

Nach den USA ist China das Land mit den meisten Organtransplantationen pro Jahr. Doch woher kommen all die Spenderorgane? Die chinesischen Behörden und Transplantationseinrichtungen verweigern nähere Informationen.

In Europa sind die Wartezeiten auf ein passendes Spenderorgan oft sehr lang, obwohl es in Europa eine Spenderkultur, ein ausgereiftes Verteilsystem und eine exzellente Infrastruktur gibt. In China dagegen gibt es noch keine richtige zentrale Datenbank, die eine rasche Zuordnung von Spenderorganen ermöglichen könnte, und es gibt auch noch keine Infrastruktur wie in Europa, die den sofortigen Transport eines Spenderorgans, zum Beispiel eines Unfallopfers, zu einem Patienten ermöglichen könnte. Eine sehr schnelle, reibungslose Koordination ist für Spenderorgane aber zwingend notwendig. Diese Koordination ist eine erhebliche logistische Herausforderung, denn jeder Empfänger kann nur ein Organ erhalten, dessen Gewebemerkmale für ihn passen. Warum sind die Wartezeiten auf passende Organe in China so unerklärlich viel kürzer als in Europa? Warum können in der Volksrepublik Transplantationen von Fremd-„Spendern“ auf den Tag genau im Voraus geplant werden?

Huang Jiefu, Direktor des chinesischen Komitees für Organspende und ehemaliger stellvertretender Gesundheitsminister war auf der Madrider Konferenz über Organspende und -transplantation im Jahr 2010 und hat erklärt, dass mehr als 90 Prozent der toten Spendern entnommenen transplantierten Organe von in China hingerichteten Gefangenen stammen.

Ende Oktober 2013 unterzeichneten 38 Klinikdirektoren in China die sogenannte „Hangzhou Resolution“. Die Direktoren erklären darin, Organe von hingerichteten Gefangenen nicht mehr zu verwenden.

Huang Jiefu kündigte im März 2014 an, dass ab Mitte 2014 alle Krankenhäuser, in denen Organtransplantationen durchgeführt werden dürfen, keine Organe von hingerichteten Gefangenen mehr verwenden sollen, sondern nur noch Organe, die nach freier Einwilligung gespendet und durch ein neues nationales System zugewiesen wurden.

Theoretisch und „rechtlich“ hat die Volksrepublik China ihre Absicht bekundet, die Organentnahme an hingerichteten Gefangenen schrittweise einzustellen sowie ein computergestütztes Zuweisungssystem für Organe, genannt „China Organ Transplant Response System“ (COTRS), einzuführen. Jedoch haben First-Hand-Untersuchungen aus China bereits nachgewiesen, dass sich nicht alle Transplantationszentren der unterzeichnenden Klinikdirektoren an dieses Versprechen hielten und zumindest in einigen Zentren weiterhin Organe von Hingerichteten für Transplantationen verwendet wurden.

Doktor Huige Li, Professor für Vaskuläre Pharmakologie an der Universität Mainz, engagiert sich seit 2011 gegen unethische Organentnahmen. Li sagte Anfang 2015 gegenüber der „Ärzte Zeitung“: „10 000 Organe werden pro Jahr in der Volksrepublik China transplantiert. Aber nicht einmal die Hälfte dieser Organe kommt von freien Bürgern.“

Organe von Gefangenen für die Transplantation zu verwenden, verstößt gegen die medizinische Ethik. Sowohl die World Medical Association (WMA) als auch die Transplantationsgesellschaft (TTS) drücken in ihren Ethikstandards unmissverständlich aus, dass Organe von hingerichteten Gefangenen nicht für Organtransplantationen verwendet werden dürfen. Es ist ein fundamentaler Grundsatz in der Transplantationsmedizin, dass Organspenden aus freiem Willen erfolgen müssen.

Bei einem zum Tode verurteilten Gefangenen kann man jedoch nicht sicherstellen, ob eine Organspende aus freiem Willen oder durch äußeren Druck erfolgt. Deshalb wird die Verwendung von Gefangenenorganen in China seit Jahren weltweit von Ärztegesellschaften und Menschenrechtlern scharf kritisiert.

In der Zeitung Beijing Times ist zu lesen: „Gefangene sind auch Bürger und haben daher auch das Recht, Organe zu spenden… Sobald die Organe von hingerichteten Gefangenen in das landesweit einheitliche System eingespeist sind, werden diese als freiwillige Organspenden chinesischer Bürger eingestuft. Die sogenannte Organspende von zum Tode verurteilten Gefangenen existiert nicht.“ Auch die Zeitung China Daily schreibt: „Die Gefangenen gehören nach wie vor zu den qualifizierten Kandidaten für Organspenden, aber ihre Organe werden in dem Computer-System registriert und in die nationale Datenbank eingegeben, anstatt für private Geschäfte.“ Und ein chinesischer Bericht erklärt: „Auch zum Tode verurteilte Gefangene sind Bürger. Wenn sie Organe spenden, soll ihnen gleichviel Achtung zuteilwerden. Ihre Organe sollen auch in das Organverteilungssystem aufgenommen und automatisch den Patienten zugeteilt werden, die sie am meisten benötigen.“

Dafür, dass China immer noch Organe von hingerichteten Gefangenen verwendet, spricht vieles. Die einzigen Unterschiede sind: Dass die zum Tode verurteilten Gefangenen als „reguläre Bürger“ definiert werden, und die Organe von hingerichteten Gefangenen als „freiwillig gespendete Organe von Bürgern“ kategorisiert werden.

„Das muss unterbunden werden – im Angebot, aber auch in der Nachfrage“, sagt Arne Gericke. Hier seien auch Europa und die nationalen Behörden gefragt: „Organraub geschieht zumeist auf Bestellung – und viele der Anfragen kommen aus Europa oder Amerika. Auch das muss man unterbinden, damit das Leid ein Ende hat!“

In der Resolution heißt es: „Es gibt fortlaufend glaubwürdige Berichte über systematische, von den staatlichen Stellen genehmigte Organentnahmen bei Gefangenen aus Gewissensgründen in der Volksrepublik China, die ohne Zustimmung der Betroffenen erfolgen. Darunter finden sich in erster Linie Personen, die friedliche Meditation und Übungen gemäß der Lehre der Falun-Gong-Bewegung praktizieren, aber auch Uiguren, Tibeter und Christen.“ Die Schwere dieser missbräuchlichen Handlungen mache es „dringend erforderlich, unverzüglich eine unabhängige Untersuchung des fortgesetzten Handels mit menschlichen Organen in der Volksrepublik China ins Werk zu setzen“.

Mit der Schriftlichen Erklärung, die nun nur noch offiziell durch das Plenum des Europaparlaments bestätigt werden muss, fordern die Abgeordneten von der EU-Kommission die Umsetzung der Beschlüsse des Europäischen Parlaments vom 12. Dezember 2013 zu Organentnahmen in China. Darin forderte das Parlament unter anderem „die unverzügliche Freilassung aller gewaltlosen politischen Gefangenen in China, einschließlich der Anhänger der Falun-Gong-Bewegung“.

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