Organspende-Hintertür: die Angehörigen

In einigen Ländern, wie Deutschland und Schweiz beispielsweise, gilt Zustimmungsregelung (in DE jetzt Entscheidungslösung), was bedeutet, dass Organe grundsätzlich nicht ohne Ihre Zustimmung entnommen werden dürfen. Das ist der eine Weg – der direkte Weg.

Fehlt allerdings eine solche Entscheidung des Spenders (bzw. ist er noch minderjährig), wird eine andere Richtung eingeschlagen, sozusagen „von hinten rum“ – über die Angehörigen, die diese gravierende Entscheidung ebenfalls treffen dürfen bzw. leider müssen und Sie somit auch gegen Ihren Willen gespendet werden können.

Ein Großteil der Organspende-Freigaben erfolgt über Angehörige.

Wichtige Anmerkung:
Gern praktizierte Vorgehensweise, auf internationaler Basis, ist übrigens, dass TROTZ vorhandener schriftlicher Erklärung des Spenders, bei der Familie weiter „nachgefragt“ wird, um eine Organspende-Freigabe zu erwirken.

 

Nachfolgender Film zeigt deutlich auf, welche Belastung eine solche Organspende-Entscheidung grundsätzlich für die Familie bedeutet und welche verheerenden Konsequenzen damit verbunden sein können.

Film: Hirntod – Tod bei lebendigem Leib
Was geschah mit Lorenz Meyer?

Ein Film von Silvia Matthies

Welches Trauma eine Organentnahme für die Angehörigen des Spenders bedeuten kann, zeigt der Fall des 15-jährigen Lorenz Meyer. Die Eltern wurden bereits eine Nacht nach der Einlieferung ihres Sohnes in eine Schweizer Klinik mit der Frage nach Organentnahme konfrontiert. In ihrer Verzweiflung stimmten sie trotz aller Vorbehalte der Entnahme der Nieren zu. Ein Schritt, den sie im Nachhinein bitter bereuen sollten.

Auszug aus dem Video:
Kann Gisela Meyer heute noch nachvollziehen, warum sie und ihr Mann letztendlich doch mit der Entnahme der Nieren einverstanden waren?

G.M.: „Weil wir nicht aus noch ein wussten. Wirklich. Und weil man in so einer Abhängigkeit von diesen Ärzten ist. Man denkt auch in diesem Moment noch, irgendwie tun sie doch alles für das Kind. Und man ist in diesem Zusammenbruch, in diesem Schockzustand, man realisiert das doch überhaupt nicht richtig, dann ist man auch in so einer Abhängigkeit und tut alles sozusagen, nur damit sie das Beste für das Kind tun.

So war auf jeden Fall unsere Haltung, auch schrecklich untertänig, schrecklich abhängig. Also, ich wünschte, ich hätte gesagt hier: Raus, das ist meine Zeit, wenn mein Kind wirklich sterben muss, dann ist das meine Zeit.“

Das Krankenhaus hat den Eltern versprochen, dass sie am Abend noch in Ruhe Abschied von Ihrem Sohn Lorenz nehmen können. Völlig verzweifelt fahren die Eltern wieder in ihr Urlaubsquartier. „Ein schrecklicher Tag“, sagt die Mutter, „wir waren wie gelähmt.“

Am Abend machen sich die Eltern wieder auf den Weg in die Klinik. Dort angekommen müssen sie zunächst schockiert feststellen, dass die Krankenschwester sie nicht einmal kennt. Man schiebt die Eltern in einen fensterlosen Raum ab, wo sie dort für 1 ½ Stunden warten müssen … – hinterher stellten sich die Eltern die Frage: Was ist in diesen 1 ½ Stunden passiert….??

Link zum Film:

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Eine Antwort zu “Organspende-Hintertür: die Angehörigen

  1. danke für dieses Video; ich habe großen Respekt vor der Mutter, die nicht in ihrer Trauer gefesselt bleibt, sondern etwas tut. Ich selbst habe übrigens auf die jüngste Propagandaaktion hin einen deutlichen Brief an meine Krankenkasse geschrieben – natürlich kam keine Antwort.

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