„Entscheidend ist die Entscheidung“ – ein Film von Junge Helden über alte Lügen

Vor ein paar Tagen wurde der neue Organspende-Film, „Entscheidend ist die Entscheidung“, von den Jungen Helden vorgestellt.

Nun, was soll man zu diesem Film sagen? Schlicht und einfach: er ist einseitig. Dieser Film soll angeblich über Organspende aufklären, doch man kann wohl kaum über „Aufklärung“ sprechen, wenn immer nur die positive Seite „verkauft“, die Nachteile und Risiken der Organspende jedoch mit keinem Sterbenswort erwähnt werden.

In einem Punkt hat der Film jedoch recht: „Entscheidend ist die Entscheidung“, ABER auf Basis welchen „Wissens“, das angeblich mit diesem Film vermittelt werden will, soll denn diese Entscheidung – realistisch – getroffen werden? Wie kann von ehrlicher Aufklärung gesprochen werden, wenn Fakten weggelassen werden, die die Entscheidung beeinflussen würden? Wieso wird die Kontra-Seite nicht mit der gleichen Intensität beworben, wie die Pro-Seite?

Das Reizvolle an diesen Partys ist das Leichte, es geht nicht um lückenlose Aufklärung“, sagt Winterscheidt.

orgaNOs: Na bitte, endlich einmal eine ehrliche Antwort – im Vordergrund steht also die Party – die sogenannte „Aufklärung“, die nicht lückenlos sein muss, also mit anderen Worten, Lücken aufweisen darf (!), ist jedoch nebensächlich. Nicht ganz uninteressant zu erwähnen bei einem Video, das sich „Aufklärungsfilm“ nennt bzw. die Jungen Helden ja von sich behaupten: „Ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, über das Thema Organspende aufzuklären“.

So heißt es weiter im Film: „Ziel von Junge Helden, dass sich möglichst viele Menschen über das Thema Organspende informieren (..) und sich auf Basis Wissen entscheiden, ob sie spenden möchten oder nicht..“

orgaNOs: Auf Basis lückenhaften Wissens, wurde vergessen hier zu erwähnen. Ist ja nicht ganz unwichtig, wenn die Basis schon auf Sand gebaut ist.

So heißt es weiter: „Dabei ist ein Nein genauso wichtig wie ein Ja. Entscheidend ist nur die Entscheidung.“

Na das klingt ja zunächst einmal sehr „großzügig“, die Frage, die sich allerdings aufdrängt, warum werden dann keinerlei kritische Meinungen auf der YouTube Seite von Junge Helden zugelassen, sondern stattdessen sofort wieder gelöscht? Darf ich also doch nicht einfach „Nein“ sagen zur Organspende? Oder man wird dann einfach „ausradiert“?

Dann wird erklärt: „Es gibt sehr wenig Aufklärungsarbeit zu dem Thema. Genau hier setzt Junge Helden an.“

orgaNOs: Interessant. Also, erstens gibt es sehr viel echte Aufklärungsarbeit, auch abseits von orgaNOs (ein paar Minuten Surfen im Internet beweisen das sofort) und zweitens, wollen wir diese sogenannte „Aufklärungsarbeit“ einmal anhand eines anderen Beispiels erklären, um es besser zu verdeutlichen:

Wenn wir die Aufklärungsmethodik der Jungen Helden einmal auf die klassische (sexuelle) Aufklärung umlegen, würde das bedeuten, dass wir wichtige Fakten wie menschlicher Körper (Anatomie, Funktionsweise, Hormonumstellungen,…), Pubertät, Verhütungsmittel (Arten, Vor- und Nachteile, Anwendung,..), Schwangerschaft, Verantwortung, Hygiene, Abtreibung, Geschlechtskrankheiten, Moral etc. etc. einfach alles weglassen und statt alledem ausschließlich – während einer tollen Party (natürlich) – den Fokus auf den Sexualakt lenken, den wir dann genauso „realistisch“ und rein darstellen – und zwar in Form der Befruchtung einer Blume durch die Biene.

Ja, alles ist so „ultraeinfach“ und einfach wunderbar, nicht wahr? Wer auf diese Art und Weise seine Kinder aufklärt, der kann wohl nur als völlig weltfremd und verantwortungslos bezeichnet werden.

Wie sagt der Politiker Frank-Walter Steinmeier so schön im Film: „Es gehört zur Verantwortung jedes Menschen, eine Entscheidung zu treffen und nicht diese aufzuschieben…“.

orgaNOs: Und was ist mit der Verantwortung der Bevölkerung gegenüber? Wie soll eine qualifizierte Entscheidung auf Basis gefilterter Informationen getroffen werden können? Darüber spricht niemand. Totgeschwiegen, wie alle negativen Fakten in der Organspende.

An dieser Stelle sei noch einmal auf einen älteren Artikel von uns verwiesen: Neue Organspende-Kampagne: Werbung oder Propaganda – wo es heißt: Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen.

Hier zeigt sich der große Unterschied etwa zur journalistischen Information: Journalisten betreiben Aufklärung, indem sie alle verfügbaren Fakten und Hintergründe darlegen und die Menschen selbst entscheiden lassen, was richtig und was falsch ist.

Stattdessen wird im Film umfassend erklärt, wie man seinen Namen richtig auf die Karte schreibt (wie schwer kann`s denn sein) – ja in der Tat, es wird alles „ultraeinfach“ dargestellt. Aber so einfach ist das Thema der Organspende nicht.

Also bitte, nennt das Kind doch beim Namen und sagt, was der Film wirklich ist: nämlich eine Organspende-Werbung oder Propaganda – denn eines ist es mit Sicherheit nicht: eine „Aufklärung“.

Anmerkung: Mein Kommentar auf der YouTube-Seite zum Film wurde übrigens von Junge Helden sofort wieder gelöscht. Untermauert nur noch mehr, dass dieser Film auf keinen Fall aufklären soll.

 

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2 Antworten zu “„Entscheidend ist die Entscheidung“ – ein Film von Junge Helden über alte Lügen

    • Sehr richtig. Auch die Art und Weise, wie das Video aufgenommen wurde, soll natürlich beeinflussen: Es sind ausschließlich junge hübsche Leute zu sehen, Stimmungs- Partymusik zu hören, der Ablauf der Organspende selbst wird mit netten, lustigen und ansprechenden Zeichnungen dargestellt. Am Ende der Organempfänger, der auf der grünen Wiese glücklich hüpft – alles wird sauber, unkompliziert/einfach, rein und positiv dargestellt – die Realität sieht leider anders aus.

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