Das „Jenke-Experiment“: 100.000 Organspender gewinnen

So lautet es auf der Facebook-Seite von Jenke von Wilmsdorff:
Heute startet eines meiner neuen Experimente. Hier im Netz möchte ich bis zur Ausstrahlung im Februar zur Organspende aufrufen. Aus Überzeugung und weil in diesem Land dringend Organspender gebraucht werden. Jeden Tag sterben drei Menschen, die vergeblich gewartet haben. Bitte nehmt Euch die Zeit und informiert Euch hier unter diesem Link:
http://www.rtl.de/cms/sendungen/das-jenke-experiment/organspendeausweis.html

Hier meine beiden Kommentare, die ich heute gepostet habe:

Geschätzter Herr Jenke von Wilmsdorff!

Ja, was soll man zu Ihrem „Experiment“ sagen? UNVERANTWORTLICH beschreibt es wahrscheinlich am besten. Genauso wie man es von einigen Ihrer Selbstversuche gewohnt ist, wenn Sie leichtfertig eine Woche lang von morgens bis abends Marihuana rauchen, sodass Sie immer mehr die Kontrolle verloren, wie „explosiv“ berichtet.

Ohne Ihnen jetzt nahetreten zu wollen, doch alleine an Ihrem Berufsweg (Schauspieler, Radiomoderator, Reporter) ist ersichtlich, dass Sie sich hier in ein völlig falsches Gebiet verirrt haben – keinerlei medizinische Ausbildung, geben aber gleichzeitig Empfehlungen für ein seit Jahrzehnten äußerst umstrittenes medizinisches Thema ab, von dem Sie offensichtlich keinerlei Ahnung haben, leicht zu erkennen, an diesen rudimentären, um nicht zu sagen Kindergarten-Infos, die Sie dazu anbieten, mit dem gleichzeitigen Aufruf: „Bitte nehmt Euch die Zeit und informiert Euch hier …“. Wieso schreiben Sie nicht gleich einfach nur: Organspende ist gut – Nicht zu spenden ist böse – das wäre noch kürzer.

Ja, das ist richtig: in Deutschland sterben täglich 3 Menschen, die vergeblich gewartet haben. Aber ich verrate Ihnen ein Geheimnis, wie Sie mehr Menschen retten könnten: Mit dem Rauchen aufzuhören, kann sogar DREI MAL MEHR Menschenleben retten, denn in Deutschland sterben täglich 9 Menschen (!) alleine an PASSIVEM Rauchen! Folgender Vorschlag daher: Sie starten ein „Jenke-Experiment“ mit dem Ziel: 100.000 Menschen vom Rauchen wegzubringen? Dabei werden wenigstens mit Sicherheit Menschenleben gerettet und niemand getötet.

Aber weil Sie doch so gerne Selbstversuche unternehmen (die Idee dazu übrigens ist nicht neu und wurde bereits von Nicolae Minovici (1868 – 1941) praktiziert, der sich selbst mehrmals erhängte), was würden Sie von folgendem Vorschlag halten, angesichts der Tatsache, dass Sie ja 100.000 Menschen zur Organspende überreden möchten und ein Organempfänger-Dasein immer als so „rosig“ und wunderbar dargestellt wird:

Was wäre, wenn Sie einmal „Ciclosporin“ eine Zeitlang einnehmen würden? Dieser Arzneistoff wird u.a. Organempfängern verabreicht, um die Immunabwehr zu unterdrücken und eine Abstoßungsreaktion der fremden Organe zu vermeiden. Mögliche Nebenwirkungen sind zwar Schädigung der Nieren, der Leber und des Magen-Darm-Trakts. Außerdem kann Ciclosporin zu Zahnfleischwucherung, Hirsutismus, zu Ödemen und zu Bluthochdruck führen. Außerdem steigt das Risiko einer Krebserkrankung signifikant an. Daneben besteht – ebenfalls durch die Immunsuppression bedingt – eine erhöhte Gefahr von Infektionen. Die Blutfettwerte können erhöht sein. Starke Sonneneinstrahlung ist bei Einnahme zu meiden. Etc. etc.

Aber anscheinend sind dies ja nur Nebensächlichkeiten, da auf diese Dinge ja nie hingewiesen wird. Und die Sterberaten lassen wir auch einfach weg.

Was Sie hier tun, Herr Jenke von Wilmsdorff, kann unverantwortlicher nicht sein. Sie werben für eine Sache, ohne sich eingehend mit ALLEN Aspekten auseinandergesetzt zu haben. Menschen vertrauen Ihnen, dieses Vertrauen dürfen Sie nicht missbrauchen. Deswegen an dieser Stelle, hier Ihre eigene Empfehlung: „„Bitte nehmen Sie sich die Zeit und informieren Sie sich hier..“: http://www.organosprotection.com“.

Oder machen Sie doch etwas, was Ihrer Expertise entspricht: Lassen Sie sich einsargen oder was auch immer, aber sorgen Sie bitte nicht dafür, dass dies mit anderen geschieht!

Gerne können Sie mit mir auch direkt Kontakt aufnehmen, um auf etwaige Fragen einzugehen, wenn Sie möchten (über unsere Webseite oder Blog).

Mit besten Empfehlungen
Ihr Roman C. Renner

2. Kommentar:

Bezugnehmend einiger hier geposteter Kommentare möchte ich noch gerne folgende Fragen, einfach zum Nachdenken, in den Raum stellen:

1. Wie kann es sein, dass sich Laien bei allem immer so sicher sind? Insbesondere bei einem medizinischen und kontroversen Thema wie diesem, bei dem an sich nur Fachleute ausreichend qualifiziert sind eine sinnvolle Meinung abzugeben und sogar hochrangige Experten massive Zweifel an Hirntod sowie deren Methoden zur Feststellung äußern (siehe http://www.organosprotection.com/expertenbrief.html), und trotzdem fühlen sich Laien dazu berufen, „ihre Meinung“ breitzutreten, andere berichtigen oder sogar bekehren zu wollen – Zu Nichts eine Ausbildung, aber zu Allem eine Meinung.

2. Untersuchungen u.a. von Dr. Deutschmann haben ergeben, dass ca. 30% der Hirntod-Diagnosen falsch sind, was bedeutet, dass hier gravierende Fehler passieren und Menschen für hirntot erklärt werden, die es aber nicht sind! Selbst DSO-internen Protokollen zufolge hatten DSO-Mitarbeiter in mehreren Fällen Ärzte darauf hinweisen müssen, dass diese den Hirntod nicht korrekt festgestellt hatten. Was ist nun, wenn es IHR Kind ist, das fälschlicherweise oder zu früh für „hirntot“ erklärt wird und zur Organentnahme freigegeben werden soll – lesen Sie sich dazu gerne einige gesammelte Berichte

3. Was wissen Sie vom Leben eines Organempfängers? „Hält“ ein Spenderorgan wirklich „ein Leben lang“? Ist Ihnen die „5-Jahres, 10-Jahres-Überlebensrate etc.“ ein Begriff?

4. Warum kann mir das Recht auf meinen eigenen Körper, den ich mein gesamtes Leben lang schließlich mein Eigen nennen darf, in meinen letzten Stunden ganz selbstverständlich gesetzlich aberkannt werden, ja schlimmer noch, in Ländern mit Widerspruchsregelung (die übrigens nicht nur in Österreich gilt) sogar meine Zustimmung zur Organentnahme vorausgesetzt werden, ohne jemals darüber informiert worden zu sein? Im österreichischen Widerspruchsregister sind nur 25.056 Österreicher von insgesamt 8,5 Mio. eingetragen – diese geringe Zahl hängt ausschließlich damit zusammen, dass der Großteil der Österreicher weder eine Ahnung von dieser automatisierten Organspende-Regelung haben, noch von der Existenz eines Registers überhaupt Bescheid wissen bzw. deren Notwendigkeit sich im Falle einer Ablehnung auch eintragen zu müssen. Zahlreiche Zuschriften aus Österreich, die wir laufend erhalten, untermauern dies.

5. Und wie kann es rechtens sein, dass in Österreich eingetragene Kinder mit dem 14. Lebensjahr wieder AUTOMATISCH gelöscht werden und sich als „mündige Minderjährige“, wie es heißt, erneut eintragen müssen? Wozu diese Schikanen?

6. Warum erhält stattdessen nicht jeder österreichische (und jeder französische, italienische, spanische etc. ) Bürger automatisch ein Informationsschreiben, in dem alles klipp und klar erklärt wird – „Sie sind Organspender, wenn Sie das nicht möchten, dann müssen Sie sich austragen bzw. widersprechen und zwar in dieser Form …“.

Genauso müsste jeder Urlauber vor Einreise darüber informiert werden, dass er sich jetzt auf „Organspende-Terrain“ befindet und entsprechend widersprechen muss, wenn er das nicht möchte. Stattdessen wird darüber kein Sterbenswort verloren – schön leise bleiben und dafür umso lauter die Werbetrommeln schlagen, dann kriegt keiner etwas mit.

Und für diejenigen, die doch etwas mitkriegen, werden die Widerspruchsbedingungen möglichst bürokratisiert, sodass es tatsächlich, wie z.B. in Österreich nicht mit einem Formular alleine getan ist, sondern neben Reisepass auch Geburtsurkunde für eine Eintragung des Kindes verlangt wird usw. Und nicht genug, werden die Auflagen von Land zu Land auch noch variiert – wer also glaubt, er könne mit 1 Ausweis die ganze Welt bereisen bzw. einen Ausländer darf man nicht anrühren, dem muss ich leider mitteilen, der befindet sich auf dem Holzweg.

Es ist ein böses und groteskes Spiel, das hier gespielt wird: Ein Spiel mit der Hoffnung, das auf dem Rücken schwer kranker Menschen ausgetragen wird – für den Empfänger Hoffnung auf ein glückliches Leben, auf Spenderseite die Hoffnung, andere Menschenleben zu retten. Die hohen Sterberaten werden dabei verschwiegen. Die Öffentlichkeit wird mit Halbwahrheiten und Fehlinformationen gefüttert und mit Promi-Werbung und „Experimenten“ unterhalten – unter diesen Aspekten kann man es daher kaum jemandem verübeln, nur das Positive in der Organspende zu sehen bzw. daran glauben zu wollen.

Verantwortlich gemacht werden müssen jene, die nur oberflächlich ausschließlich die Infos der PRO-Seite überflogen haben und dann lautstark „ihre Meinung“ kundtun und Menschen beeinflussen möchten, ohne aber auf die damit verbundenen Gefahren, Risiken und Kontroversen überhaupt einzugehen.

Vorsicht! Laut Wikipedia wird unter einer Meinung in der Philosophie eine Art des Fürwahrhaltens verstanden, die nicht auf strenger Prüfung beruht und sich infolgedessen der Möglichkeit des Irrtums bewusst ist. Meinung ist dem Glauben verwandt und ein Gegenbegriff zu Wissen! Seit Xenophanes (um 570 ‒ um 470 v. Chr.) wird in der Philosophie zwischen Meinung und Wissen unterschieden.

Achten Sie aus diesem Grunde sehr genau darauf, auf wessen Meinung Sie insbesondere bei gravierenden Themen Wert legen!

Ihr Roman C. Renner

 

Nachtrag 07.11.2014

Interessant anzumerken, dass meine beiden Kommentare aus dem Facebook von Jenke von Wilmsdorff gelöscht wurden! So viel zu „ehrlicher Aufklärung“ …

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3 Antworten zu “Das „Jenke-Experiment“: 100.000 Organspender gewinnen

  1. Zum Jenke-Experiment „Organspende“ habe ich auf seiner Seite folgendes Statement hinterlassen:

    Leider hat mir das Experiment Organspende nicht gefallen. Nicht nur, weil ich grundsätzlich gegen Organspende bin, sondern weil es sehr einseitig gestaltet war. Es kam lediglich nur EIN Gegner zu Wort, wobei er eigentlich nicht zu Wort kam. Mir persönlich geht es gar nicht darum, dass evtl. meine Organe „zu früh“ entnommen werden, sondern viel mehr darum, wie mit dem „Spender“ umgegangen wird. Warum bekommt ein „Toter“ vor der Entnahme Unmengen an Schmerzmitteln und muskellähmenden Medikamenten? Wie wird denn genau festgestellt, ob jemand „hirntot“ ist? Diese Fragen sind mal spannend! Da hätten mal Fachleute gefragt werden müssen….davon abgesehen fand ich die Aktion mit dem Affenkostüm in diesem Zusammenhang geschmacklos und auch traurig, dass man nur mit solchen Maßnahmen Aufmerksamkeit für ein solchen Thema bekommt. Aber ich bin für eine Organspende, wenn der Spender weiterlebt, wie im Falle einer Niere und kann es absolut nicht nachvollziehen, dass eine Mutter erst darüber nachdenken muss, ob sie ihrem Kind eine Niere spendet!

  2. Ich finde die Experimente grundsätzlich immer sehr interessant und Jenke von Wilmsdorff ist ein netter, sympathischer Mann. Aber bei diesem Experiment habe ich ihm gestern eine Nachricht über Facebook geschrieben, er möchte sich bitte hier auf diesen Seiten mal umsehen…..ich könnte mir vorstellen, er tut es! Hoffentlich…

  3. Hat dies auf Freiheit, Familie und Recht rebloggt und kommentierte:
    Der Aufruf zur Organspende bedeutet für die Menschen, sich bei lebendigem Körper die Organe entfernen zu lassen. Wenn der Körper wirklich tot ist, stockt die Blutzirkulation und die Organe sind dann unbrauchbar. Ein jeder sollte sich genau überlegen, ob er sich zur Organspende anmeldet. Es gibt allerdings noch eine Alternative, das Organe künstlich nachwachsen. Hier muss vor allem die Stammzellenforschung noch aufholen.
    Was Herr Jenke persönlich mit seinem Körper macht, bleibt ihm überlassen, ist aber kein Beispiel zum nachmachen.

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