Offene Diskussion mit einem verständnislosen Arzt

Sehr geehrter Herr Dr. Bankel,

in Bezugnahme auf Ihr Schreiben, darf ich wie folgt Stellung nehmen und Sie hiermit zu einer öffentlichen Diskussion einladen. Hier zuvor Ihr Email vom 27. Jänner 2014:

Hallo,
mit großer Bestürzung bin ich auf Ihre Seite gestoßen und bin sehr erschüttert. Ich habe Jahre bei der Organspende gearbeitet, bin selber Mediziner und bin traurig, dass Leser diese Unwahrheiten, die auf Ihrer Seite vermittelt werden, glauben – spinale Reflexe als Lebenszeichen zu deuten…ich bitte Sie…das ist Volksverhetzung und es tötet Menschen, die dringend auf ein Organ warten. Man kann nur an Ihr (vermutlich nicht vorhandenes) Gewissen appellieren, die Seite offline zu nehmen.
Verständnislos,
Dr. Lorenz Bankel

Nun, das macht auf den ersten Blick ja einen sehr fürsorglichen Eindruck. Da ich jetzt noch nicht weiß, ob Sie, wie Ihre Kollegen bereits zuvor, schon in der ersten Diskussionsrunde, wie es im Boxsport heißt technischem K.O. erliegen, und sich ebenfalls „mundtot“ zurückziehen werden, erlauben Sie mir angesichts der bisherigen Erfahrungen, wenn ich gleich in „medias res“ gehe.

Auch wenn mittlerweile auf den Hippokratischen Eid nicht mehr geschworen wird, so darf ich Ihnen zumindest für den Fall, dass Sie den ersten Grundsatz der medizinischen Ethik, „Primum non nocere“, vergessen haben sollten, dessen primäre Bedeutung wieder in Erinnerung rufen. Primum non nocere bedeutet “Zuerst einmal NICHT schaden„.

Ich will Ihnen das gerne einmal eindeutschen. Wenn es um Menschenleben geht, ist Vorsicht zu walten und von etwas, bei dem man sich nicht hundertprozentig sicher sein kann und berechtigte Zweifel bestehen, somit davon abzusehen. Es ist mir daher unbegreiflich, wie dieses dubiose Hirntod-Konzept allein unter diesem Gesichtspunkt jemals verabschiedet werden konnte.

Was ich Sie aber umgekehrt mit großer Bestürzung fragen muss, ist es Ihnen denn nicht bekannt, dass die Hirntod-Definition auf mehr als wackligen Beinen steht und diese bereits seit Jahrzehnten von einigen Fach-Ärzten selbst als nicht mehr vertretbar angesehen wird? Nichtsdestotrotz verhalten sich Ärzte wie Sie, als wenn es hier um einen gesicherten Wissensstand geht.

Dazu möchte ich Ihnen gerne folgende Experten als Referenz angeben:

1. Friedenspreisträger Hans Jonas, der darauf plädiert den Komapatienten oder den „Hirntoten“ im Zweifelsfalle so zu behandeln, als sei er noch auf der Seite des Lebens, da wir (bitte genau lesen) die exakte Grenze zwischen Leben und Tod nicht kennen, und der Mensch nicht von seinem Körper zu trennen oder im Gehirn zu lokalisieren sei. Nobelpreisträger Jonas warnt auch im Besonderen davor, das Hirntodkriterium in den Dienst der Organbeschaffung zu stellen. Der Therapieabbruch bei hirntoten Patienten sei nur dann gerechtfertigt, wenn er dem Interesse des Patienten selbst diene, aber nicht für fremdnützige Zwecke.

2. Ist Ihnen die Untersuchung vom Neurologen Dr. Hermann Deutschmann bekannt, in der er von 2000 bis Ende 2005 230 Hirntodfälle im Raum Niedersachsen untersuchte? Zitat Dr. Deutschmann: „Die Untersuchung hat gezeigt, dass wir relativ häufig zu Patienten gerufen wurden, wo die behandelnden Ärzte glaubten, es läge der Hirntod vor, wir aber festgestellt haben, der Hirntod war noch gar nicht eingetreten, und das in der Größenordnung von 30 Prozent vergeblicher Einsätze.“ (…) Das zeigt, dass das Thema Hirntoddiagnostik bei noch nicht allen Ärzten, noch nicht allen Intensivmedizinern insbesondere, angekommen ist und das Verständnis dafür fehlt.

Anmerkung: Verständnislose Ärzte, die nicht wissen, was sie tun und in 30% der Fälle falsch liegen? (siehe dazu auch Artikel: „Gravierende Fehler bei Hirntod-Diagnosen“ unter https://organosinfo.wordpress.com/2014/03/03/gravierende-fehler-bei-hirntod-diagnosen/)

Was kann das auf Sie persönlich umgelegt bedeuten, Herr Dr. Bankel? Nehmen wir an, Sie haben an 100 Explantationen teilgenommen, dann dürfen Sie gemäß dieser Untersuchungsdaten davon ausgehen, dass Sie höchstwahrscheinlich bei ca. 30 Patienten (= 30%), die noch nicht einmal das Hirntodkriterium erfüllten, eine Organentnahme vorgenommen haben, die andernfalls die Chance gehabt hätten, wieder zu genesen (!)

3. Exzerpt aus einem Interview mit Prof. Dr. Hamilton:
Er berichtet über eine Operation, die er an einer jungen Frau vorgenommen hat, die eigentlich „tot“ war. Nach erfolgreicher Reanimation war sie allerdings in der Lage, ein während der OP geführtes Gespräch unter Krankenschwestern, wortwörtlich wiederzugeben! Seine Aussage: „Das ist unmöglich..!” (auch auf unserer Webseite beschrieben unter: www.organosprotection.com/Organwelten.html)

Ich darf auf zwei Äußerungen von Hamilton ganz besonders hinweisen:

a) „She is completely dead by every criteria we have“ – was bedeutet „Sie ist komplett tot, nach allen medizinischen Kriterien“ und

b) “That’s impossible – her brain had absolutely no electrical activity!” übersetzt: „Das ist unmöglich, ihr Gehirn hatte absolut keine elektrische Aktivität“

Was sagen Sie zu solchen Äußerungen? Scheinbar gibt es einige ungeklärte Phänomene in der Medizin.

Wenn sich zwei Experten über ein Fachthema streiten, neige ich persönlich, wie wahrscheinlich die meisten Menschen, dazu, dem zu glauben, der fachlich versierter erscheint. Das hat sich in vielen Bereichen der Praxis bewährt.

Zuerst also, wer ist Dr. Hamilton?
Allan J. Hamilton, MD, FACS, besuchte die Harvard Medical School, wurde danach Chef der Neurochirurgie und Chairman (Vorsitzender) der Abteilung für Chirurgie an der Universität von Arizona Health Sciences Center. Er hält eine Professur in Neurochirurgie als auch Radiation Oncology, Psychology, and Electrical and Computer Engineering. Er ist Executive Director des Arizona Simulation Technology and Education Center (ASTEC) an der University of Arizona College of Medicine.
Des Weiteren war Hamilton Chief of Neurosurgery from 1995-2004 und Chairman of the Department of Surgery. Hamilton ist vielfach ausgezeichnet u.a. gewählt zu „One of American Best Doctors“, „America’s Top Surgeons“ und „One of the Outstanding Intellectuals of the Twenty-First Century“ und das über länger als ein Jahrzehnt, erhielt den Bernard J. Cosman Award für Innovation in Neurochirurgie, erhielt den Lars Leksell Award in Neurochirurgie für seine Pionierarbeit zu Entdeckungen und Beiträge in den Neurowissenschaften, erhielt für seine Arbeit Auszeichnungen sowohl vom Amerikanischen Präsidenten als auch von Altkanzler Helmut Kohl verliehen, neben vielen weiteren auch Empfänger weiterer internationaler Auszeichnungen für seine bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Minimalinvasiven stereotaktischen Neurochirurgie am Rückrat (spine) usw. usw.

Nun, um zu wissen, auf wessen Meinung ich mehr geben soll – auf Ihre oder die von Dr. Hamilton – meine Frage dazu (ohne Ihnen nahetreten zu wollen):

Wer ist Dr. Lorenz Bankel? Noch nie etwas von Ihnen gehört.

Weiters, wenn Sie sich bitte auch zu folgenden Kommentaren äußern möchten:

4. Der Stuttgarter Kardiologe und Neurologe Dr. Paolo Bavastro, der sich seit 30 Jahren mit dem Thema Organspende befasst, hält die Gleichsetzung von Tod und Hirntod für „eine interessensgeleitete Umdefinition des Todes„. Es gehe um die Beschaffung von Organen, wobei der Bedarf prinzipiell niemals zu decken sein werde, urteilt er. Sterbende für tot zu erklären, um ihnen Organe entnehmen zu können, bezeichnet er als „arglistige Täuschung„.

5. Kennen Sie übrigens auch schon den Offenen Brief von Chefarzt Prof. Dr.med. Andreas Zieger vom 17. März 2014?
So schreibt Dr. Zieger Zitat: „Schließlich ist die Feststellung des Hirntod-Syndroms als der „Tod des Individuums“, wie in der Stellungnahme weiterhin behauptet, vor dem Hintergrund der naturwissenschaftlichen Widerlegung der entscheidenden Begründung des Hirntodkonzepts, nämlich, dass das Gehirn nicht alle Lebensfunktion integriert und steuert, nicht länger aufrecht zu halten (vgl. Shewmon 1998, 2004, 2012 in Berlin zum „chronic brain death“, Müller 2010; Rehder 2010; Verheijde et al 2009; Birnbacher 2007).

Die permanente Ignoranz gegenüber diesen wissenschaftlichen Nachweisen ist unerträglich und hat ein kritisches (psychologisches) Widerstandspotenzial in der aufgeklärten Öffentlichkeit geschaffen, welches von der DSO, der BÄK, der BgZA und den Fachgesellschaften nicht ausgeräumt worden ist, sondern verstärkt zu Abwehrbewegungen, Kritik und aufklärerischen Gegenaktionen provoziert. (…)

Solange die DSO, die BÄK, die BGzA und die Fachgesellschaften es nicht verstehen, ohne irreführende (verharmlosende und Falsch-)Informationen gegenüber der interessierten aufgeklärten Bürgerschaft und Bevölkerung wahrheitsgetreu, unverfälscht, transparent und psychologisch nachvollziehbar verständlich zu vermitteln, wird der Abwärtstrend in der Organspendebereitschaft zunehmen. http://charismatismus.wordpress.com/2014/03/17/offener-brief-von-chefarzt-prof-dr-med-andreas-zieger-zur-causa-hirntod/

6. Prof. Dr. Dr. Wolfgang Waldstein, Professor für Recht und Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben „(…) das im Jahre 1968 von einem ad hoc Komitee der Harvard Medical School eingeführte ‚Hirntodkriterium‘ (…) hatte, wie aus dem Text der Stellungnahme klar wird, nicht den Zweck, den objektiven Zeitpunkt des Todes eines Menschen festzustellen, sondern ersichtlich den ausschließlichen Zweck, die Entnahme vitaler Organe eines Sterbenden zu ermöglichen.“

7. Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner seines Zeichens Mediziner und Sozialpsychiater sagte:
Erstaunlich an der jetzigen Situation ist eigentlich nur, dass wir alle – einschließlich der Bundesärztekammer, der Kirchen und der Ethikkommission – 25 Jahre brauchten um zu erkennen, dass wir uns hinsichtlich der Hirntod-Definition auf einem Irrweg befunden haben, ein Irrweg, der eigentlich mit logischem, gesundem Menschenverstand leicht zu erkennen war, deshalb auch jetzt diejenigen Vertreter des Souveräns, die näher dran sind, signalisieren, dass sie nicht mehr bereit sind, diesen Irrweg weiterzugehen (…)“

8. Prof. Dr. Birnbacher, Universität Düsseldorf, Mitglied der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer: „der Hirntod als Kriterium des organismischen Todes klarerweise ungeeignet“, weiters, “Bei der Explantation von Organen von Hirntoten werden (…) diese Organe einem lebenden menschlichen Individuum entnommen.“

9. Rechtsanwalt und Notar Uwe Friedrich: „(….) dürfte bereits heute zivilrechtlich die Anfechtung wegen Irrtums, wenn nicht gar wegen arglistiger Täuschung jeder Zustimmungserklärung zur Organentnahme gemäß §§ 119, 123 BGB begründet sein, wenn nicht im konkreten Fall vorher entsprechende vollständige Aufklärung erfolgt ist.“

10. Kommentar zu einer Studie von Prof. Dr. Dr. Wolfgang Waldstein: „Ein Problem muss ich hier jedoch hervorheben, weil es gerade junge und an sich gesunde Menschen, vor allem auch Kinder, betrifft, die ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben. Weil deren Organe besonders wertvoll sind, ist das Interesse an deren „Hirntod“ besonders groß. Wenn nun bei diesen gleich der ‘apnoe test’ angewandt wird, um schnell an ihre Organe kommen zu können, ist eine mögliche Rettung ausgeschlossen.“

Usw. usw., diese Liste könnte noch beliebig fortgesetzt werden. Was sagen Sie zu all diesen Äußerungen?

Also fassen wir doch einmal zusammen, um was es hier wirklich geht:

Sterbenskranke, sofern nicht auch noch falsch diagnostizierte Patienten, als „Tote zu verkaufen“, biologische lebenserhaltende Prozesse einfach als nichtssagende „Reflexe“ abzutun und Bürger in rechtliche Fallen hineinlaufen zu lassen, indem Regelungen geschaffen werden, die nie ausgesprochene Zustimmungen „ergaunern“.

Unter all diesen Gesichtspunkten für Organspende zu werben, ist absolut verwerflich, unmoralisch, unethisch und unmenschlich.

Diese Situation ist unhaltbar, und es wäre eigentlich überfällig zu fordern, Leute, die solche Taten begehen, wie vor dem Beschluss des ad-hoc Komitees im Jahre 1968 in Japan, noch völlig richtig praktiziert, wegen Mordes oder zumindest Tötung zu verurteilen.

Herr Dr. Bankel, Sie haben an unser Gewissen appelliert. Unser Gewissen lässt es nicht zu, über derartige Missstände zu schweigen. Umgekehrt gestatten Sie mir daher die Frage, in Anlehnung an den polnischen Schriftsteller Stanislaw Lec Zitat: „Sein Gewissen war rein. Er benutzte es nie“, wie steht es denn mit Ihrem Gewissen, Herr Doktor?

Gerne erwarte ich Ihre diesbezügliche Stellungnahme auf diesem Blog.

Mit besten Empfehlungen
Ihr Roman Christian Renner

orgaNOs Global Protection Initiative
www.organosprotection.com

P.S. Im Interesse der Allgemeinheit haben wir Ihr und unser Schreiben veröffentlicht.

 

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