Organspendeausweis: Warnung vor falschen Informationen

Da wir immer wieder auf die Verbreitung von falschen Informationen im Hinblick auf die angebliche „internationale Gültigkeit“ des deutschen Organspendeausweises sowie deren falsche bzw. mangelhafte Übersetzungen im Internet stoßen und auch die unterschiedlichen Landesregelungen im Bereich Organtransplantation immer wieder falsch dargestellt werden, möchten wir auf diesem Wege aufklären bzw. warnen, dass hier große Vorsicht geboten ist!

Die Information seitens der BZgA, dass der Organspendeausweis aus Deutschland auch in anderen Ländern Gültigkeit hat, ist FALSCH!

Vermutlich fast jeder kennt den deutschen Organspendeausweis oder wird ihn zumindest bald kennen, nachdem die staatlichen Bemühungen verstärkt in die Richtung gehen, jeden Staatsbürger mehrmals in seinem Leben damit zu konfrontieren, um ihm eine Entscheidung zu diesem Thema abzuringen. Sie haben hier auch die Möglichkeit NEIN anzukreuzen, wenn Sie keine Organe spenden möchten. Immer wieder finden wir die Informationen (so auch von der BZgA), dass dieser Widerspruch auf der deutschen Karte dann auch in anderen Ländern Gültigkeit hat.
Achtung: Dies ist NICHT so!

Wir von orgaNOs setzen uns mit dem Transplantationsgesetz in jedem einzelnen Land auseinander. Wir besorgen für jedes Land, das benötigt wird, die entsprechenden rechtswirksamen Widerspruchsdokumente. Dies ist nicht immer einfach zu bewerkstelligen, da in jedem Land der Welt völlig unterschiedliche Ämter, Regelungen und Gesetze herrschen. Es gibt auch Länder, in denen diesbezüglich nicht einmal Gesetze dafür beschlossen wurden und alles noch „wie im Wilden Westen“ gehandhabt wird oder Länder, in denen zwar theoretisch Gesundheitsämter vorhanden sind, aber eher rein repräsentative Zwecke erfüllen und einem die Kontaktaufnahme u.a. aufgrund „Proforma-Webseiten“, die nicht funktionieren erschwert wird oder einfach weil sie schlicht unkooperativ sind.

Aber bis jetzt haben wir es immer geschafft, wenn auch mitunter unter mühsamer und aufwendiger Recherchearbeit und Nutzung aller möglichen Kommunikationskanäle, die je nach Anfrage geforderten Dokumente zu besorgen.

Deshalb kennen wir die internationale Situation ganz genau und sie stellt sich leider viel komplizierter dar, als es immer wieder behauptet wird:

1. Es wird grundsätzlich unterschieden zwischen Ländern mit Zustimmungsregelung und Widerspruchsregelung. Zustimmungsregelung (wie z.B. in Deutschland, Schweiz,..) bedeutet, dass eine Zustimmung notwendig ist, um eine Organentnahme vornehmen zu können.

2. Es gibt Länder mit Widerspruchsregelung (wie z.B. Österreich, Frankreich,…), wo Sie definitiv schriftlich zu Lebzeiten widersprochen haben müssen, ansonsten Sie automatisch zum Organspender werden.

3. Es gibt Länder mit Widerspruchsregelung und Widerspruchsregister: nicht jedes Land mit Widerspruchsrecht hat auch automatisch ein öffentliches Widerspruchsregister, wo Sie sich eintragen können. Dies wird fälschlicherweise immer wieder behauptet (auch die Deutsche Verfügungszentrale gibt hier falsche Auskünfte!)

4. Es gibt Länder mit Widerspruchsregister, wo sich nur die jeweiligen Staatsbürger eintragen lassen können

5. Es gibt Länder mit Widerspruchsregister, wo sich auch Ausländer eintragen können (wie z.B. in Österreich und Frankreich)

6. Es gibt Länder, in denen Sie mit den dafür vorgesehenen Formularen den schriftlichen Widerspruch einreichen müssen, ansonsten ist es nicht gültig!

7. Es gibt Länder, in denen unterschiedliche Regelungen für Staatsbürger und Ausländer/Touristen herrschen (wie z.B. Tschechien)

8. Und es gibt Länder, in denen zwar Widerspruchsregelung herrscht, aber kein Amt und keine Formulare vorhanden sind d.h. dass Sie die jeweiligen Dokumente dann immer bei sich haben sollten.

Auf jeden Fall gilt für jedes Land: Es muss immer in der jeweiligen Landessprache verfasst sein.

Fazit: Ein NEIN auf dem deutschen Organspendeausweis schützt somit nur innerhalb Deutschland, aber in keinem anderen Land der Welt, denn es gilt immer das nationale Recht des Landes, in dem man verunglückt ist, egal welcher Staatsbürgerschaft man angehört. Im Gegenteil: Wenn Sie in einem Land mit Widerspruchsregelung verunglücken und dort keinen nach deren rechtlichen Grundlagen verfassten schriftlichen Widerspruch vorliegen haben, dann können Ihnen auch OHNE Zustimmung Ihrer Angehörigen die Organe entnommen werden.

Achtung: Auch Empfehlungen von der Botschaft, man könne das Dokument auch auf Englisch (weil Weltsprache) mitführen, sind bitte als UNZUREICHEND zu betrachten. Man kann doch nicht davon ausgehen, dass jede Schwester oder Arzt in einem Krankenhaus in der Türkei, Portugal oder sonst einem beliebigen Ort der Welt ein englisches Schriftstück versteht und Englisch spricht?

Das Zeitfenster bei der Freigabe zur Explantation ist extrem kurz (i.d.R. bis max. 18 Stunden) – da wird sich niemand die Mühe machen extra einen Übersetzer hinzu zu ziehen.

Diese Regelungen sind natürlich bewusst so kompliziert gestaltet, um es uns allen zu erschweren und es mühsam wird, sich durch den jeweiligen „Rechtsdschungel“ zu schlagen, bei dem die Wenigsten überhaupt erst beginnen werden, sodass der Weg dann ganz leicht frei ist für das „Organgeschäft“. Denn kaum jemand wird die zeitaufwendigen Nachforschungsarbeiten auf sich nehmen und in den verschiedensten Sprachen kommunizieren können, so wie wir es bereits getan haben.

Hinzu kommt dann natürlich, dass durch Fehl-Informationen u.a. durch BZgA Menschen in falscher Sicherheit gewogen werden, dass der überall erhältliche deutsche Organspendeausweis mit einem jeweiligen Beiblatt in verschiedenen Sprachen auch in anderen Ländern gültig sei bzw. diverse Widerspruchskarten von unterschiedlichen Organisationen den ausreichenden Schutz bieten. Hier sei nochmals darauf hingewiesen, dies ist NICHT RICHTIG. In vielen Ländern genügt nicht eine simple Übersetzung. Wenn Sie nicht die dafür vorgesehenen Formulare nützen, ist der Widerspruch ebenfalls ungültig.

Weiters wird auf den jeweiligen Übersetzungen der Ausweise der BZgA auch immer der §2 des Transplantationsgesetzes zitiert, egal ob es sich um die ungarische oder englische Übersetzung handelt – dies ist ebenfalls nicht richtig, da der §2 nur das deutsche Transplantationsgesetz betrifft, aber dies natürlich in jedem Land anders ist und somit ein anderer § genannt werden müsste! Es wurde also hier nicht gründlich gearbeitet – weder richtig recherchiert noch richtig umgesetzt.
Das kann einmal auf Ihre Kosten gehen.

Bitte erkundigen Sie sich daher auf jeden Fall für das jeweilige Land, in dem Sie leben bzw. wenn Sie vorhaben auf Urlaubs- oder Geschäftsreise zu fahren über die hiesigen Regelungen. Da man leider nie vorher weiß, ob und wo man ev. verunglücken oder einen Unfall erleiden wird, ist es wichtig, sich eben VORHER zu erkundigen – in einer Vielzahl der Länder in Europa gilt Widerspruchsregelung und ist daher notwendig, zu Lebzeiten einen schriftlichen Widerspruch vorliegen zu haben, natürlich nach den jeweils dort gültigen Rechtsgrundlagen. Hinterher ist es zu spät.

Bei orgaNOs Global Protection Initiative www.organosprotection.com können Sie rechtsgültige Widerspruchsdokumente für alle Länder der Welt zu einem Unkostenbeitrag anfordern.

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2 Antworten zu “Organspendeausweis: Warnung vor falschen Informationen

  1. Guten Tag,
    da ich schon länger auf dieser Erde bin, habe ich mich bereits vor vielen Jahren mit dem Thema Sterben und Tod auseinandergesetzt. Es war für mich deshalb von Anfang an klar, daß ich mir zu gegebener Zeit einen natürlichen Sterbeprozess wünsche, der durch nichts unterbrochen wird. Daß dieser Prozess wesentlich länger dauert, als es uns die Schulmedizin weismachen möchte und als es im Allgemeinen angenommen wird, konnte ich gelegentlich selbst beobachten, zuletzt beim Tod meiner Mutter.

    Je aggressiver in den letzten Jahren eine Organspende öffentlich beworben wurde, um so mehr entwickelte sich bei mir das Bedürfnis, diesem Mißbrauch auf jeden Fall vorzubeugen, und ich erkundigte mich nach den Bedingungen in den einzelnen Ländern.

    Für Österreich war es einfach, da habe ich nur an die entsprechende Behörde geschrieben und bin jetzt im Widerspruchsregister eingetragen- hier konnte ich mich also selbst schützen. Für meine Reise nach Ungarn habe ich dann Organos in Anspruch genommen. Man hat mich beim Download sehr gut unterstützt, die Willenserklärung ist tadellos übersetzt, alles klappte hervorragend. Ich bin froh, daß es Organos gibt und werde diese Möglichkeit bei Bedarf wieder in Anspruch nehmen.

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