Organraub in China: bis zu 1,5 Millionen Morde durch Ärzte …

Geschäfte des Grauens

Originalartikel von Die Tagespost hier zu lesen

Erstmals hat das Europaparlament mit großer Mehrheit eine „Schriftliche Erklärung“ gegen den Organraub in China angenommen. Fast 400 Abgeordnete unterschrieben die von dem Europaabgeordneten Arne Gericke (Familien-Partei) und elf weiteren Kollegen aus vier Fraktionen initiierte Resolution. Für den Menschenrechtspolitiker Gericke ist das ein wichtiges Zeichen: „Europa macht klar, dass wir die staatlich genehmigten Organentnahmen und das damit verbundene Leid, die Ermordung zehntausender Menschen nicht dulden. Wir fordern Aufklärung von China und ein Ende dieses menschenverachtenden, milliardenschweren Handels.“ Betroffen seien davon neben Anhängern des Falun Gong auch Christen, Tibeter und Uiguren.

Initiiert wurde die Schriftliche Erklärung 48/2016 nach einem Treffen mit Betroffenen im Europaparlament: „Ich habe Fotos gesehen, Berichte unter Tränen, unglaubliches Leid – und es besteht für mich kein Zweifel“, sagt Arne Gericke: „Der organisierte und offensichtlich staatlich tolerierte Organraub ist traurige Realität. Wir sprechen von bis zu 1,5 Millionen Morden durch Ärzte, staatlich gefördert.“

Bereits am 12. Dezember 2013 hatte das Europäische Parlament eine Resolution verabschiedet, die China aufforderte, den Organraub an lebenden Gefangenen aus Gewissensgründen einzustellen. Die Resolution verurteilt deutlich und nachdrücklich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Seither ist wenig geschehen.

In der Volksrepublik China und mehreren anderen Ländern werden inhaftierten Menschen gegen ihren Willen Organe entnommen, um diese illegal zu verkaufen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Mehrheit der Opfer durch die Organentnahme getötet. Obwohl die Beweislage schwierig ist, gibt es außerdem eine Fülle sehr deutlicher Indizien dafür, dass vor allem in China in den vergangenen Jahren tausende Menschen aus Arbeitslagern völlig unschuldig zum Tode „verurteilt“ wurden, um ihre Organe gewinnbringend verkaufen und transplantieren zu können.

Nach den USA ist China das Land mit den meisten Organtransplantationen pro Jahr. Doch woher kommen all die Spenderorgane? Die chinesischen Behörden und Transplantationseinrichtungen verweigern nähere Informationen.

In Europa sind die Wartezeiten auf ein passendes Spenderorgan oft sehr lang, obwohl es in Europa eine Spenderkultur, ein ausgereiftes Verteilsystem und eine exzellente Infrastruktur gibt. In China dagegen gibt es noch keine richtige zentrale Datenbank, die eine rasche Zuordnung von Spenderorganen ermöglichen könnte, und es gibt auch noch keine Infrastruktur wie in Europa, die den sofortigen Transport eines Spenderorgans, zum Beispiel eines Unfallopfers, zu einem Patienten ermöglichen könnte. Eine sehr schnelle, reibungslose Koordination ist für Spenderorgane aber zwingend notwendig. Diese Koordination ist eine erhebliche logistische Herausforderung, denn jeder Empfänger kann nur ein Organ erhalten, dessen Gewebemerkmale für ihn passen. Warum sind die Wartezeiten auf passende Organe in China so unerklärlich viel kürzer als in Europa? Warum können in der Volksrepublik Transplantationen von Fremd-„Spendern“ auf den Tag genau im Voraus geplant werden?

Huang Jiefu, Direktor des chinesischen Komitees für Organspende und ehemaliger stellvertretender Gesundheitsminister war auf der Madrider Konferenz über Organspende und -transplantation im Jahr 2010 und hat erklärt, dass mehr als 90 Prozent der toten Spendern entnommenen transplantierten Organe von in China hingerichteten Gefangenen stammen.

Ende Oktober 2013 unterzeichneten 38 Klinikdirektoren in China die sogenannte „Hangzhou Resolution“. Die Direktoren erklären darin, Organe von hingerichteten Gefangenen nicht mehr zu verwenden.

Huang Jiefu kündigte im März 2014 an, dass ab Mitte 2014 alle Krankenhäuser, in denen Organtransplantationen durchgeführt werden dürfen, keine Organe von hingerichteten Gefangenen mehr verwenden sollen, sondern nur noch Organe, die nach freier Einwilligung gespendet und durch ein neues nationales System zugewiesen wurden.

Theoretisch und „rechtlich“ hat die Volksrepublik China ihre Absicht bekundet, die Organentnahme an hingerichteten Gefangenen schrittweise einzustellen sowie ein computergestütztes Zuweisungssystem für Organe, genannt „China Organ Transplant Response System“ (COTRS), einzuführen. Jedoch haben First-Hand-Untersuchungen aus China bereits nachgewiesen, dass sich nicht alle Transplantationszentren der unterzeichnenden Klinikdirektoren an dieses Versprechen hielten und zumindest in einigen Zentren weiterhin Organe von Hingerichteten für Transplantationen verwendet wurden.

Doktor Huige Li, Professor für Vaskuläre Pharmakologie an der Universität Mainz, engagiert sich seit 2011 gegen unethische Organentnahmen. Li sagte Anfang 2015 gegenüber der „Ärzte Zeitung“: „10 000 Organe werden pro Jahr in der Volksrepublik China transplantiert. Aber nicht einmal die Hälfte dieser Organe kommt von freien Bürgern.“

Organe von Gefangenen für die Transplantation zu verwenden, verstößt gegen die medizinische Ethik. Sowohl die World Medical Association (WMA) als auch die Transplantationsgesellschaft (TTS) drücken in ihren Ethikstandards unmissverständlich aus, dass Organe von hingerichteten Gefangenen nicht für Organtransplantationen verwendet werden dürfen. Es ist ein fundamentaler Grundsatz in der Transplantationsmedizin, dass Organspenden aus freiem Willen erfolgen müssen.

Bei einem zum Tode verurteilten Gefangenen kann man jedoch nicht sicherstellen, ob eine Organspende aus freiem Willen oder durch äußeren Druck erfolgt. Deshalb wird die Verwendung von Gefangenenorganen in China seit Jahren weltweit von Ärztegesellschaften und Menschenrechtlern scharf kritisiert.

In der Zeitung Beijing Times ist zu lesen: „Gefangene sind auch Bürger und haben daher auch das Recht, Organe zu spenden… Sobald die Organe von hingerichteten Gefangenen in das landesweit einheitliche System eingespeist sind, werden diese als freiwillige Organspenden chinesischer Bürger eingestuft. Die sogenannte Organspende von zum Tode verurteilten Gefangenen existiert nicht.“ Auch die Zeitung China Daily schreibt: „Die Gefangenen gehören nach wie vor zu den qualifizierten Kandidaten für Organspenden, aber ihre Organe werden in dem Computer-System registriert und in die nationale Datenbank eingegeben, anstatt für private Geschäfte.“ Und ein chinesischer Bericht erklärt: „Auch zum Tode verurteilte Gefangene sind Bürger. Wenn sie Organe spenden, soll ihnen gleichviel Achtung zuteilwerden. Ihre Organe sollen auch in das Organverteilungssystem aufgenommen und automatisch den Patienten zugeteilt werden, die sie am meisten benötigen.“

Dafür, dass China immer noch Organe von hingerichteten Gefangenen verwendet, spricht vieles. Die einzigen Unterschiede sind: Dass die zum Tode verurteilten Gefangenen als „reguläre Bürger“ definiert werden, und die Organe von hingerichteten Gefangenen als „freiwillig gespendete Organe von Bürgern“ kategorisiert werden.

„Das muss unterbunden werden – im Angebot, aber auch in der Nachfrage“, sagt Arne Gericke. Hier seien auch Europa und die nationalen Behörden gefragt: „Organraub geschieht zumeist auf Bestellung – und viele der Anfragen kommen aus Europa oder Amerika. Auch das muss man unterbinden, damit das Leid ein Ende hat!“

In der Resolution heißt es: „Es gibt fortlaufend glaubwürdige Berichte über systematische, von den staatlichen Stellen genehmigte Organentnahmen bei Gefangenen aus Gewissensgründen in der Volksrepublik China, die ohne Zustimmung der Betroffenen erfolgen. Darunter finden sich in erster Linie Personen, die friedliche Meditation und Übungen gemäß der Lehre der Falun-Gong-Bewegung praktizieren, aber auch Uiguren, Tibeter und Christen.“ Die Schwere dieser missbräuchlichen Handlungen mache es „dringend erforderlich, unverzüglich eine unabhängige Untersuchung des fortgesetzten Handels mit menschlichen Organen in der Volksrepublik China ins Werk zu setzen“.

Mit der Schriftlichen Erklärung, die nun nur noch offiziell durch das Plenum des Europaparlaments bestätigt werden muss, fordern die Abgeordneten von der EU-Kommission die Umsetzung der Beschlüsse des Europäischen Parlaments vom 12. Dezember 2013 zu Organentnahmen in China. Darin forderte das Parlament unter anderem „die unverzügliche Freilassung aller gewaltlosen politischen Gefangenen in China, einschließlich der Anhänger der Falun-Gong-Bewegung“.

Transplantation als lebenslange Last …

Vor fünf Jahren wurden Charla Nash beim Angriff eines Schimpansen Augenlider, Nase, Lippen und Hände abgerissen. Sie erhielt eine totale Gesichtstransplantation, die dritte ihrer Art in den USA überhaupt. Nun stößt ihr Körper das Gesicht immer mehr ab – ein weltweit einmaliger Fall (Originalartikel von Deutschland Radio Kultur, Peter Kaiser).

Die ersten Gesichtstransplantationen begannen 2005 mit der Verpflanzung von Nasen, Kinn, Lippen und Wangen. Im Dezember 2008 wagte die Chirurgin Maria Simionow an der Cleveland Clinic in Ohio zum ersten Mal die Transplantation eines fast ganzen Gesichtes. Sie verpflanzte 80 Prozent des Gesichtes. Maria Simionow sagte damals zu dem Eingriff:

„Die Techniken sind bekannt, und sie werden täglich eingesetzt. Sie beinhalten das Ernten der Haut als Hauptkomponente. Es geht nicht darum, das Gesicht von jemandem zu nehmen und es auf einen anderen drauf zu setzen. Wir reden über die Hautummantelung, über Hauttransplantation.“

Transplantation als lebenslange Last

Wenn es heißt, etwa 40 Menschen würden weltweit das Gesicht von Toten derzeit tragen, so stimmt diese Aussage nur bedingt. Da die Kopfform eines jeden Menschen immer individuell ist, lässt sich ein Gesicht nicht eins zu eins übertragen. Das alte Gesicht wird sich über den neuen Knochen neu fügen, mehr oder weniger stark. Einerseits ist diese Transplantation ein medizinischer Triumph, andererseits für den Empfänger auch eine lebenslange Last.

Denn was immer man transplantiert – ein Herz, Nieren, Hände, Haut, oder eben Gesichter – in allen Fällen reagiert der Empfängerkörper sofort. Er will das Spendergewebe wieder loswerden, sagt Jan-Dirk Raguse, leitender Oberarzt an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Berliner Charité:

„Wir sprechen einmal von einer akuten Abstoßungsreaktion, die relativ dramatisch und schnell verläuft. Aber relativ gut behandelt werden kann.“

Medikamente unterdrücken die Immunabwehr

Alle Transplantationspatienten müssen lebenslang sogenannte Immunsuppressiva einnehmen, also Mittel, die die Immunabwehr des Patientenkörpers gegenüber dem Spendergewebe unterdrücken. Doch nicht immer wirken die Medikamente.

„Zusätzlich gibt es noch chronische Abstoßungsreaktionen, und diese treten schleichend auf. Hier kommt es mehr oder weniger dazu, dass der Körper das Transplantat nicht wirklich abstößt, sondern dass es zu langsamen Umbauvorgängen im Transplantat kommt. Grade innerhalb der kleinen Gefäße, der Muskulatur, was eben zur Folge hat, dass das Transplantat nicht abfällt, wie man sich das jetzt so vorstellen würde, sondern ganz einfach langsam vernarbt und funktionsunfähig wird.“

Genau das ist jetzt bei Charla Nash geschehen, einer Amerikanerin aus Connecticut, deren Gesicht und Hände bei einem Schimpansenangriff schwer verletzt wurden. Vor fünf Jahren bekam die heute 62-jährige neue Hände und ein neues Gesicht. Jetzt stößt ihr Körper das Gesicht langsam wieder ab. Das heißt konkret, das Gesicht wird immer starrer.

„Das Organ verliert dann irgendwann wieder seine Funktion, quasi wieder dahin, wo es angefangen hat. Zur absoluten Unbeweglichkeit, und zur Starre, zur Vernarbung, dass das ganze Gewebe derb und hart wird.“

Erhöhte Gefahr von Tumorbildung

Das Problem ist nicht die Transplantation an sich. Das Problem sind die Immunsuppressiva nach der Transplantation, meint Bodo Hoffmeister, Leiter der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Berliner Charité:

 „Die Patienten müssen lebenslang Medikamente zu sich nehmen, die im Prinzip ihr Immunsystem, zwar nicht so ganz stark wie früher, aber dennoch unterdrücken. Und über die Jahrzehnte, es handelt sich häufig um jüngere Patienten, denen man solche Immunsuppressiva verabreicht, da wissen wir eigentlich auch noch nicht, was nach 30, 40 Jahren da passiert.“

Das ist das Dilemma. Zwar können die Ärzte den Patienten technisch helfen, hinsichtlich der Abstoßungsreaktionen stehen sie relativ ratlos da. Denn es geht nicht nur darum, dass der Körper die neue Hand, das Herz, das Gesicht wieder abstößt. Das Problem ist vielschichtiger.

„Wir wissen dass diese Patienten unter der immunsuppressiven Therapie ein zwei- bis vierfaches höheres Risiko haben Tumore zu entwickeln. Diese Tumore sind häufig Hauttumore, das ist bei allen Organtransplantierten so, und das bedeutet, dass diese Patienten dann eine entsprechende Chemotherapie erhalten müssen. Und das hat zur Konsequenz, dass gegebenenfalls für die Zeit der Chemotherapie, die immunsuppressive Therapie vielleicht heruntergefahren werden muss. Das ist wiederum ein Risiko, dass eine chronische Abstoßungsreaktion da ihren Anfang nimmt.“

Unvorstellbare Leiden der Patienten

Charla Nash sagte in einem Interview, dass sie das Absetzen der Immunsuppressiva, das Teil eines US-Militär-Experiments war, wiederholen würde. Denn die Erkenntnisse, die die Ärzte an ihrem Fall gewinnen, helfen womöglich anderen Menschen in einer ähnlichen Situation. Deren Leiden, so die Cleveland-Ärztin Maria Simionow, sind kaum vorstellbar:

„Wir reden über die Patienten, die entstellt sind, weil sie wirklich sehr schwere Verbrennungen haben, und die für gewöhnlich schon 30, 40 chirurgische Korrektur-Eingriffe über sich ergehen lassen mussten. Es ist sehr schwierig, und es ist sehr herausfordernd irgendwie den Patienten zu helfen der Welt wieder das Gesicht zu zeigen.“

Achtung Apple-User: automatischer iPhone-Organspende-Notfallpass!

Apple hat soeben sein neues iPhone Softwareupdate iOS 10 mit einem automatischen „Organspende-Notfallpass“ ausgestattet.

Dieser Notfallpass wurde in den Einstellungen automatisch bei „Organspende“ mit JA angegeben. Jeder iPhone-Nutzer ist somit jetzt automatisch ein Organspender.

Wenn man weiß, dass es diese Einstellung gibt, kann man es ändern, jedoch ist dies vielen Menschen nicht bewusst.

Rund 670 Millionen iPhones wurden seit 2013 weltweit verkauft. Das sind eine Menge Organspender auf einen Schlag. Die Daten werden automatisch in den USA von einer Organisation gespeichert und immer auf dem aktuellen Stand via Internet gehalten, wie der momentane Notfallpass eingestellt ist. Neben der Blutgruppe und privaten medizinischen Befunden, kann man allerlei zusätzliche Informationen preisgeben.

Hier die Anleitung zur Deaktivierung:
(Das neue iOS 10 Update-Programm; das Ihr aufgespielt habt, beinhaltet eine automatische Organspende-Freigabe!)

– Geht auf Telefon
– Kontakte
– Dein eigenes Profil (an erster Stelle) aufrufen
– Bis zum Ende scrollen
– ROTE Schrift: NOTFALLPASS anklicken
– Auf Organspender gehen
– Aufrufen und erkennen, dass er grundsätzlich mit !JA! angekreuzt ist
– Jetzt anklicken und auf NEIN Umstellung und Speichern

 

Forschungen zu Organspende-Kampagnen

Ja? Nein? Vielleicht?

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Originalartikel hier zu lesen)

Projekt erforscht Einstellungen zur Organspende

Seit zwei Jahren erforscht das Institut für Soziologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Kooperation mit dem Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), was die Entscheidung gegen eine Organspende motiviert und welche Rolle die öffentliche Diskussion dabei spielt. Dafür interviewte das Projektteam 60 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet, die einer Organspende skeptisch gegenüberstehen. Zusätzlich wurden über 80 Plakatmotive von Organspende-Kampagnen analysiert. Erste Ergebnisse der Studie werden bei der öffentlichen Podiumsdiskussion „Organspende zwischen Aufklärung und Reklame – ein Gespräch über Kampagnen, Medien und Kritik“ am Montag, 18. Juli, in der alten Universitätsbibliothek Erlangen diskutiert.

Einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge steht der Großteil der Deutschen einer Organspende nach dem Tod positiv gegenüber. Dennoch dokumentiert nur eine Minderheit ihre konkrete Bereitschaft, etwa auf einem Organspendeausweis. Die sozialen Gründe für diese Diskrepanz sind bislang wenig erforscht. In den Medien und der öffentlichen Debatte wird der Mangel an Spenderorganen zumeist auf den fehlenden Spendewillen der Bevölkerung zurückgeführt. „Um Zurückhaltung und Skepsis zu überwinden, wird in Kampagnen an die Bereitschaft der Menschen zur Organspende appelliert“, sagt Prof. Dr. Frank Adloff vom Institut für Soziologie der FAU. „Als Gründe für eine Verweigerung werden dabei vor allem mangelnde Informiertheit oder Misstrauen in das Transplantationssystem vermutet, ohne dass dieser Zusammenhang bisher geprüft worden wäre.“

Gemeinsam mit Prof. Dr. Silke Schicktanz und Solveig Lena Hansen vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen haben Prof. Dr. Frank Adloff und Dr. Larissa Pfaller die Motivationen für oder gegen eine Organspende nach dem Tod erforscht. In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt „Ich möchte lieber nicht. Das Unbehagen mit der Organspende und die Praxis der Kritik“ wurden die Ursachen kritischer Positionen ergründet, die in Interviews und Gruppengesprächen geäußert wurden. Außerdem haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die moralischen Botschaften öffentlicher Kampagnen von Gesundheitsorganisationen in den Blick genommen. Bisher wurden 60 Teilnehmer interviewt und 83 Postermotive analysiert.

Suggestive Kampagnen erschweren freie Entscheidung

Ein genauer Blick auf die Kampagnen zeigt: Obwohl sich jede Bürgerin und jeder Bürger frei entscheiden können soll, wird ihnen ein „Nein“ zur Organspende nicht leicht gemacht. Silke Schicktanz: „Organspende wird als sozial erwünschtes Verhalten dargestellt. Es wird suggeriert, eine Entscheidung zur Organspende sei leicht und einfach zu treffen, Organspender und Organspenderinnen übernähmen Verantwortung für ihre Familien und linderten das Leiden von Personen, die auf ein Organ warten. Bedenken hingegen werden gänzlich ausgeblendet, und so fühlen sich die Menschen durch die Kampagnen nicht in erster Linie gut informiert und zu einer tieferen Auseinandersetzung aufgerufen, sondern subtil unter Druck gesetzt.“ Teilweise, so Schicktanz weiter, würden auch Fehlinformationen dargestellt. So suggerierten Slogans wie „Du bekommst alles von mir, ich auch von Dir?“, dass es von der eigenen Haltung zur Organspende abhängt, ob man im Notfall selbst ein Organ bekommen würde.

Entscheidung gegen Organspende oft kulturell bedingt

Die begleitenden Interviews und Gespräche zeigen, dass der Wunsch, keine Organe zu spenden, nicht einfach auf mangelnde Information oder Misstrauen reduziert werden kann. Vielmehr ist die Skepsis gegenüber einer Organspende auch an tiefgreifende kulturelle Vorstellungen von Tod und Körperlichkeit gebunden. So bezweifeln nicht wenige, dass der Hirntod, eine Voraussetzung für Organspenden, mit dem endgültigen Tod des Menschen gleichgesetzt werden kann. Zudem stellt für viele der Befragten die Entnahme von Organen auch nach dem Tod einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit dar. „Das Unbehagen, das mit einer solchen Vorstellung verbunden ist, kann nicht einfach übergangen oder als irrational abgetan werden“, sagt Silke Schicktanz. „In Kampagnen und der öffentlichen Diskussion werden solche Haltungen jedoch nicht adressiert, dabei sind der Schutz des eigenen Lebens und der Wunsch nach einem respektvollen Umgang mit dem eigenen Körper nach dem Tod gute Gründe für eine  Entscheidung – auch gegen eine Organspende.“

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Frankreich: Nebenwirkung Hirntod – ein Patient stirbt, fünf werden krank …

Bei einer klinischen Studie für ein neues Medikament stirbt ein Patient, fünf werden krank. Wer trägt dafür Schuld ?

Originalartikel von Christina Berndt Süddeutsche. de

Ein Mann starb, fünf weitere kamen mit Hirnschäden in die Klinik – und doch war alles regelkonform. Zu diesem Schluss kommt die französische Generalinspektion für Soziale Angelegenheiten (Igas) in ihrem Abschlussbericht zu dem tragischen Medikamententest, der sich im Januar in Rennes ereignete. Die Standards für klinische Studien seien eingehalten worden, betonte Gesundheitsministerin Marisol Touraine: „Der Abschlussbericht bestätigt, dass die Bedingungen, unter denen die Studie zugelassen wurde, nicht gegen bestehendes Recht verstießen.“

Damit entlastet Touraine nicht nur die Firma Biotrial, die den tödlichen Test im Auftrag des portugiesischen Pharmaherstellers Bial durchführte, sondern auch die französische Arzneimittelbehörde ANSM. Fachleute üben Kritik an dem Studienprotokoll. Denn die sechs Männer, die als Letzte den neuartigen Wirkstoff in besonders hoher Dosis erhielten und dadurch schwer erkrankten, bekamen die noch weithin unerforschte Substanz gleichzeitig. Wären sie nacheinander behandelt worden, wäre manches Elend wohl verhindert worden.

So aber erhielten fünf Probanden die Testarznei sogar noch, als es dem 49-jährigen Guillaume Molinet schon schlecht erging. Wie die anderen Probanden hatte der Sänger, Maler und Dichter sich der Forschung vor allem wegen der 1900 Euro zur Verfügung gestellt, die er dafür bekam. Dass die Arznei namens BIA 102474 gegen neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson helfen sollte, war für ihn ebenso wie für seine Mitprobanden belanglos. Alle waren gesund. An ihnen wollte man testen, wie viel BIA 102474 Menschen vertragen.

Weniger als gedacht, wie sich bald herausstellte: Drei Tage nach Studienbeginn, am 10. Januar, erlitt Molinet Seh- und Sprachstörungen, in seinem Gehirn kam es zu Blutungen. Dennoch verabreichten die Ärzte den fünf anderen Probanden am nächsten Tag erneut die Substanz – unter ihnen auch dem 42-jährigen Stéphane Schubhan, Vater von fünf Kindern. Als dieser über Sehstörungen und Kopfschmerzen klagte, hätten die Ärzte im Studienzentrum ihm nur geraten, er solle Paracetamol nehmen, sagte Schubhan später. „Sie wollten mich abwimmeln.“ Bis heute sehe er doppelt, leide unter Schwindel und Unwohlsein. Molinet starb am 17. Januar.

Trotz der Klagen der Probanden unternahm die Firma Biotrial tagelang nichts. Erst am 14. Januar, als schon fünf der sechs Männer unter neurologischen Ausfällen litten, informierte sie die Aufsichtsbehörde. Das sei zu spät gewesen, kritisierte Ministerin Touraine. Auch rügte sie die Herstellerfirma Bial, weil diese nicht auf besondere Risiken hinwies. Aber gegen die Gesetze hätten beide damit nicht verstoßen, da diese einen gewissen Spielraum lassen.

Immerhin, so viel stellt die Ministerin doch fest: Wenn bei diesem fatalen Medikamententest alles regelkonform war, dann müssen die Regeln wohl verschärft werden. Künftig sollen Gesundheitsämter regelmäßig die Studienzentren kontrollieren und monatlich Berichte über Nebenwirkungen abfragen. Zudem soll die Unabhängigkeit der Ethikkommissionen, die Arzneistudien an Menschen zulassen, gestärkt werden. Pharmafirmen dürfen darin nicht mehr vertreten sein. Tatsächlich saß in der zuständigen Kommission in Brest ein Biotrial-Mann.

Südtirol: Contra Organspende

In einer Vortragsreihe setzt man sich in Südtirol diese Woche kritisch mit der Organspende auseinander.

Von Christoph Franceschini (salto.bz)

Neue Organspende-Kampagne: Konflikt mit Buddhismus …?

„Keine Ausreden. Entscheide dich jetzt!“

Unter diesem Motto steht die neue Organspende-Kampagne bei der u.a. Sissi Perlinger für die Organspende wirbt.

Wieder einmal soll Humor von der Ernsthaftigkeit dieses kontroversen Themas ablenken, um Menschen mit Nachdruck zu einer Entscheidung zu drängen, ohne aber gleichzeitig (wie immer) alle wichtigen Aspekte (also auch die schwerwiegenden Gegenargumente) aufzuzeigen.

Sissi Perlinger bezieht sich in ihrem Spot auf die Tibeter (Zitat: „… und der Tibeter, der kennt sie aus…“) – an dieser Stelle eine interessante Frage (zum Nachdenken):

Wie können Buddhisten eine Organspende ruhigen Gewissens vertreten, wenn der Stillstand der Atmung für Buddhisten nicht den Tod bedeutet?

Im Leichnam sind vielmehr noch Energien vorhanden, und der Geist muss gemäß buddhistischer Lehre noch vier Phasen bis zur Auflösung durchlaufen. Der Körper des Verstorbenen sollte daher einige Zeit, im Tibetischen Buddhismus sogar drei Tage, völlig in Ruhe gelassen werden. Er soll nicht berührt werden – so sollten z.B. auch die Augen nicht zugedrückt werden, da damit die Sterbeprozesse beendet werden.

Besteht hier also nicht ein Konflikt, eine sofortige Organentnahme durchzuführen bzw. wie soll eine Organentnahme ablaufen, ohne nicht dabei die buddhistischen Lehren zu verletzen …???

Organe von einem „echten“ Toten, bei dem jegliches Leben aus seinem Körper gewichen ist und man warten muss, bis dieser kalt, bleich und steif geworden ist, sind unbrauchbar für einen Organempfänger. Organe müssen stattdessen aus einem noch „frischen“, lebenden Körper, bei dem die lebenserhaltenen Abläufe noch intakt sind, entnommen werden!

Wie löste man dieses gravierende Dilemma? Schließlich kann man doch nicht an einem Menschen bei lebendigem Leibe „herumschnippeln“. Nun, ganz einfach. Indem künstliche Rahmenbedingungen und Kriterien geschaffen wurden, nach denen ein noch lebender Körper tatsächlich zu Tode definiert werden kann. Man behauptet einfach, dass er jetzt tot sei – und damit basta! Blutdruckanstieg, Schweißausbruch, Abwehrbewegungen, Lakrimation (Tränenbildung) etc. etc., das ignorieren wir jetzt alles – schließlich können sich „Tote“ neuerdings bewegen, sind ja alles nur „Reflexe“.

Nehmen wir nun einmal für einen Moment an, dass diese medizinisch (ja immer) eindeutigen Diagnosen und Behauptungen korrekt sind, nun dann sollten doch alle Mediziner weltweit auch der gleichen Meinung sein und auch überall die gleichen Todesdefinitionen und Regelungen gelten, nicht wahr? (wir wissen ja z.B. auch eindeutig, dass Rot rot ist, und nicht blau, oder?) Nun, dem ist aber nicht so. Ganz im Gegenteil.

Experten sind sich weder darüber einig, ab wann ein Mensch für „tot“ erklärt werden kann, ob überhaupt und ab wann Organe entnommen werden dürfen (Hirntod/Herztod/Kreislaufstillstand etc.), noch darüber, ob der Hirntod wirklich das Ende des Menschen bedeutet, noch darüber, ab wann Reanimationsversuche abgebrochen werden (die Zeitspanne bei Herzstillstand reicht international von 5 – 20 Minuten, so werden Sie beispielsweise in Spanien schon für tot erklärt, wobei in Deutschland noch weiter versucht wird, Sie wiederzubeleben), welche Diagnosekriterien selbst zur Anwendung kommen, und man ist sich auch international nicht darüber einig, wie ein jeweiliger Widerspruch (falls Sie mit einer Organentnahme nicht einverstanden sind) auszusehen hat.

Jedes Land hat seine eigenen Kriterien und Bedingungen zu allem und jedem aufgestellt – ein Beweis dafür, dass hier NICHTS einheitlich ist, alles nur eine Sache der „Definition“ und somit künstlich aufgestellte Regeln sind – und nicht, weil es eben so ist.

 

Abschließend möchten wir gerne noch einen Leserkommentar zur Organspende-Werbung generell einfügen, der uns diese Tage erreicht hat:

„…. Was ich ebenfalls grässlich und pervers an der Werbung für Organspenden finde, ist, dass dadurch einerseits ein gewisses Anspruchsdenken, andererseits geradezu Schuldgefühle / schlechtes Gewissen geschürt werden. Einem schwer kranken Menschen wird durch die verzerrte und falsche Darstellung vorgegaukelt, er habe beinahe schon etwas wie einen Anspruch auf ein Spenderorgan. Damit wird aber jegliche Eigenverantwortung ausgeblendet oder ausgeschaltet und der Wunsch nach einer echten Lösung und Heilung wird „ins Außen“ verlagert, als wenn man selbst gar nichts mit der eigenen Gesundung zu tun hätte. Es suchen wirklich nicht gerade viele Menschen zuerst bei sich selbst und in ihrem „Inneren“ nach der Ursache für ihre Symptome, Krankheit, Beschwerden und Probleme. Bei den meisten ist doch immer irgendwas oder irgendwer anderes „schuld“ am eigenen Unglück oder Elend.

Umgekehrt wird mir als einem möglichen Organspender ganz subtil ein schlechtes Gewissen oder Schuldgefühl untergeschoben, wenn ich meine Organe nicht spenden will (was gerade bei uns Deutschen auch immer wieder prächtig funktioniert). Die Gehirnwäsche funktioniert auch nicht nur in diesem Bereich bestens… „

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„Es handelt sich (bei der Transplantationsmedizin) um eine moderne Form des Kannibalismus. Der Mensch schöpft Kraft und gewinnt neues Leben aus fremden Organen. Er isst sie nicht selber auf, der moderne Mensch macht die Augen zu und lässt einverleiben.“

(zitiert aus „Der entseelte Patient“ von Anna Bergmann)

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